Sep 9, 2010 | Matchberichte
Deutschland – Kroatien: 1:2 - kein unbefleckter Durchmarsch zum Finale
Beide Mannschaften — Deutschland und Kroatien — gaben sich im Vorfeld der Partie selbstbewusst und siegessicher, ehrten sich aber gleichzeitig gegenseitig in vielen Interviews als starken und erstzunehmenden Gegner. Sowohl die deutsche Elf als auch das Team des noch jungen Staates Kroatien gingen mit drei Punkten in das heutige Duell und wollten sich durch einen Sieg das vorzeitige Weiterkommen ins Viertelfinale sichern. In der Startaufstellung der Kroaten hatte sich zum ersten Spiel der Mannschaft nicht wirklich viel geändert. Mit viel Spannung blickten die Experten vor allem darauf, wie der kroatische Trainer Slaven Bilic die als eher „schwach“ eingestufte linke Seite der Deutschen angreifen wird. Erwartungsgemäß erfolgten auch in den Reihen der Deutschen Elf keine sensationellen Änderungen. Warum auch? Schließlich hatte sich die Taktik von Joachim Löw im Spiel gegen die Polen bereits erfolgreich bewährt!Im Klagenfurter Stadion herrschte zum Spielbeginn bei den Fans beider Seiten Hochstimmung. Die Spieler der jungen kroatischen Mannschaft hielten sich allesamt die rechte Hand auf das Herz. Die Kroaten hatten als einzigen neuen Spieler Raktik in der Aufstellung. Auf Seiten der Deutschen bestritt der aus Polen stammende Lukas Podolski am heutigen Tag sein 50. Länderspiel für die deutsche Elf. Soweit nist das erst einmal nichts ungewöhnliches, wäre Podolski nicht erst 23 Jahre alt! Zum Vergleich: Der deutsche Fußballgott Jürgen Klinsmann, war in diesem Alter noch nicht einmal Nationalspieler der deutschen Elf. Wohin mag die Karriere von Poldi noch führen? Aber zurück zum Spiel: Um 18:00 Uhr erfolgte der Anstoß durch das Team von Joachim Löw. Der sonst so aktive Beginn der deutschen Mannschaft blieb jedoch dieses Mal aus. Die ersten fünf Minuten waren durchsetzt von vielen Ballverlusten auf beiden Seiten. Selbst der routinierte Kapitän der Deutschen, Michael Ballack, schien verunsichert und erstaunte durch überraschend viele Fehler. Nach einem Zusammenprall mit dem deutschen Metzelder musste der Kroate Srna außerhalb des Spielfeldes behandelt werden. Der „Pferdekuss“, den Srna einsteckte, blieb aber zum Glück folgenlos, sodass er nach wenigen Sekunden wieder in das Spiel eingreifen konnte. Beide Mannschaften kamen am Anfang nicht so richtig ins Spiel, von Minute zu Minute wurde der im Vorfeld viel besprochene, gegenseitige Respekt ziemlich deutlich. Alles schien so, als würden sich beide Teams gegenseitig abtasten und nach „Schwachstellen“ der jeweiligen Verteidigung suchen. In der 9. Minute erkämpften sich die Deutschen ihren ersten Eckball. Um es kurz zu machen: Frings schießt, nix passiert!
Beide Mannschaften führten immer wieder schnelle Konter in Richtung des gegnerischen Tores. Irgendwie konnte sich aber keins der beiden Teams eine echte Chance erarbeiten. Die kroatische Defensive stand äußerst stark und machte es Podolski und Co. sehr schwer. Die Abwehr der Deutschen machte dagegen einen etwas löchrigeren Eindruck. Es schien als wüsste die deutsche Defensive nicht so wirklich, wie sie ihre Hälfte des Spielfelds verteidigen sollte. Sie ließ den Kroaten viele Freiräume, was auch die rot-weiß gestreiften Fans spürten. Die erste Ecke der Kroaten wurde in der 16. Minute getreten und durch Simunic mit dem Kopf verlängert: ohne Erfolg. Selbst nach 20 Minuten konnte sich keine der beiden Mannschaften eine ernsthafte Tormöglichkeit erarbeiten. Dann jedoch kam plötzlich in der 24. Minute der Kroate Srna nach einer Flanke von Pranjic an den Ball. Jansen beging einen dicken Abwehrfehler. Die erste tatsächliche Torchance wusste der kleine Kroate gekonnt zu nutzen und verwandelte sie in das 1:0 gegen die favorisierte deutsche Auswahl. Eine Minute lang war das Team von Bundestrainer Löw wie geschockt. Der Trainer selbst stand in dieser Zeit mit hochrotem Kopf an der Seitenlinie, frustriert von der Leistung seines Teams, außer sich. Nur zwei Minuten nach dem kroatischen Treffer kam Gomez nach einer Flanke mit dem Kopf an das runde Leder und verpasste nur knapp den erhofften Ausgleich. Kurz darauf kämpfte sich Podolski in Richtung des kroatischen Strafraums, wurde jedoch kurz vor dem Strafraum böse vom Torschützen des 1:0 — Srna — gefault. Für diese unnötige Aktion bekam Srna vom belgischen Schiedsrichter eine verdiente gelbe Karte. Den anschließenden Freistoß führte Frings aus, ballerte ihn jedoch direkt in die menschliche kroatische Mauer.
Das in der Vergangenheit so hervorragend funktionierende Kombinationsspiel der deutschen Elf klappte nun kurz vor der Pause so gut wie gar nicht mehr. Der Kroate Kranjar kam mitten im deutschen Strafraum sogar völlig frei zum Schuss. Nur seinem schlecht platzierten Schuss war es zu verdanken, dass die deutsche Elf zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit zwei Toren im Rückstand lag. Die kroatischen Fans spürten die Überlegenheit ihrer Mannschaft und unterstützten ihr Team mit freudigen Gesängen. Nach 33 Minuten gelang Ballack ein hart geschossener Freistoß auf das Tor von Pletikosa. Der Keeper konnte den Ball nur noch mit den Händen abwehren, was zu einem wilden „Gestocher“ im Strafraum der Kroaten führte. Es half alles nichts, der Ball wollte einfach nicht in den Kasten. Die letzten Minuten wurden noch einmal turbulent. Nur fünf Minuten vor der Halbzeit kam Metzelder nach einem gut getretenen Eckball mit dem Kopf an den Ball und wieder einmal ging das Leder nur knapp über die Latte des Kastens von Pletikosa. Kurz darauf wurde es in der gegenüberliegenden Spielhälfte spannend. Kranjcar kam nur fünf Meter vor dem Kasten von Jens Lehmann frei zum Schuss. Einer Glanzparade des deutschen Keepers war es zu verdanken, dass die deutsche Elf mit nur einem Gegentreffer in die Halbzeitpause entlassen wurde. Ob das Team von Joachim Löw die Pause nutzen konnte, um wieder ins Spiel zu kommen?
Diese Frage kann zum Leidwesen der deutschen Fans nur mit einem „nein“ beantwortet werden. Löw wechselte Jansen aus, der dieses Mal im Gegensatz zu dem Spiel gegen die Polen eine schwache Partie spielte; es kam der laufstarke Odonkor. Philipp Lahm wechselte derweil von der rechten auf die linke Seite. Die erste Tormöglichkeit in der zweiten Hälfte vergab Michael Ballack unbedrängt. Statt den Ball in aller Ruhe anzunehmen, schoss er direkt und verfehlte das Tor um viele Meter. Kurz darauf katapultierte Modric das Leder in Richtung des deutschen Tores. Jens Lehmann fing aber auch diesen Ball mit routinierter Sicherheit. So ging es die nächsten Minuten weiter: hin und her. Vor allem das deutsche Team vergab in dieser Zeit ihre Chancen, bevor diese überhaupt entstehen konnten.
In der 62. Minute passierte dann das, was aus deutscher Sicht auf keinen Fall hätte passieren dürfen! Nach einem Schuss an den Pfosten von Jens Lehmann, bekam dieser den Ball nicht zu fassen. Wie von einem Magneten gelenkt, landete der Ball dafür auf dem Fuß von Olic. Ohne zu zögern, nutzte der seine Chance und brachte damit seine Mannschaft mit 2:0 in Führung. Spätestens jetzt konnten die deutschen Zuschauer nicht mehr hinsehen. Die kroatischen Fans waren dagegen außer sich vor Freude und zeigten sogar mit Gesängen wie „Deutschland, Deutschland auf Wiedersehen“ ihr Talent im Umgang mit der deutschen Sprache. Zwei Minuten nach dem kroatischen Treffer wechselte dann Löw den sonst so starken Gomez gegen Bastian Schweinsteiger ein. Eine verhängnisvolle Entscheidung, wie sich später zeigen sollte. Ganze elf Minuten danach kam auf der anderen Seite Petric für den Torschützen des 2:0, Olic, auf den Platz. Schweinsteiger erkämpfte sich in der 73. Minute seine einzige Torchance des Spieles. Er kam über die linke Spielfeldseite herein und versuchte aus einem sehr kleinen Winkel selbst einen Schuss: ohne Erfolg.
Wieder einmal war es Lukas Podolski der für Hoffnung in den Reihen der deutschen Elf sorgte. Nach einer Flanke von Lahm herrschte größere Verwirrung im kroatischen Strafraum. Poldi bekam schließlich das Leder auf den richtigen Fuß und verkürzte mit einem brachialen Direktschuss auf ein hoffnungsvolles 2:1. Nun suchte Löw die Entscheidung: Er wechselte kurz darauf den offensiven Kuranyi gegen Fritz ein, um die Kroaten noch mehr unter Druck zu setzen. Aber es half alles nichts. In den folgenden Minuten verwandelte sich das Spiel in einen wahren Hexenkessel. Nachdem die Kroaten sich durch ihre nun sehr defensive Spielweise „hinten rein stellten“, provozierte Modric die Elf aus Deutschland auch noch mit seiner auf Zeitspiel ausgerichteten Taktik. Für Freistöße ließ er sich — zum Unbehagen der Deutschen — auffällig viel Zeit. Dies gipfelte dann nach einem „kleinen“ Foul durch Leko an dem eingewechselten Schweinsteiger in einer sehr unbedachten Situation. „Schweini“, wie ihn seine Anhänger nennen, reagierte in seinem Frust vollkommen überzogen, drehte sich zu Leko um und schubste ihn zu Boden. Logische Konsequenz dieser vollkommen unnötigen Handlung war die rote Karte für Schweinsteiger und seine damit verbundene Verbannung vom Spielfeld. Die anschließenden Diskussionen über die Entscheidung des belgischen Schiedsrichters endeten mit weiteren gelben Karten für den deutschen Keeper Lehmann und seinen kroatischen Widersacher Leko. Und als ob es noch nicht genug gelbe Karten gehagelt hätte, holte sich Modric in der 93. Minute für sein unfaires Faulspiel ebenfalls noch eine ab.
Das Ende vom Lied: Deutschlands Elf wird sich im Spiel gegen die starken Österreicher ordentlich reinknien müssen, um noch aus eigener Kraft ins Viertelfinale zu kommen. Die Kroaten waren die bessere Mannschaft auf dem Platz und haben deshalb auch verdient gewonnen.

