Deutschland – Polen: 2:0

Deutschland liefert titelverdächtiges Spiel gegen die Polen. Ein wunderschönes Spiel lieferte die Deutsche Mannschaft im ausverkauften Klagenfurter Stadion gegen die Polen. Sehr früh setzten Löws Jungs auf Angriff und ließen die polnische Abwehr schon nach wenigen Minuten ziemlich alt aussehen. Vorbei an allen polnischen Spielern, stürmten Klose und Gomez in Richtung des polnischen Torhüters Borua. Klose gab auf Gomez, doch der Pass war zu weit vorgelegt und Gomez konnte dem Ball nur noch mit den Zehenspitzen einen kleinen Schubs geben, ohne das Tor zu treffen. Nach nur fünf Minuten Spielzeit wussten die Polen also, dass sie es wohl mit einer starken deutschen Mannschaft zu tun haben.

Auch in der 11. Minute gab es wieder eine torreife Szene der Deutschen, die den Polen wenig Raum ließen, ein eigenes ordentliches Spiel aufzubauen. Nachdem das erste Zusammenspiel Kloses mit Gomez nicht ganz so gut geklappt hatte, wiederholte sich die Szene in der 20. Minute: nur dieses Mal mit dem gebürtigen Polen Podolski als Partner für Klose. Klose gab diesmal von rechts einen klasse Pass auf Podolski und der verwandelte sicher zum 1:0. Wie für die Deutschen oftmals typisch: Nach dem Führungstreffer ließ die Mannschaft den Schlendrian einkehren und machte nicht mehr so viel Druck auf die Polen, was diese fast mit einer großen Chance in der 35. Minute hätten ausnützen können. Durch eine Unaufmerksamkeit der deutschen Abwehr gelang ihnen ein nicht ganz ungefährlicher Schuss aufs deutsche Tor. Eine weitere polnische Chance folgte in der 38. Minute. Da kam Lewa in den Genuss eines Fasttores, aber auch er scheiterte an dem Deutschen Keeper Jens Lehmann, der würdig in die Fußstapfen von Oliver Kahn getreten ist. Langsam wurde es eng am deutschen Tor, da die Polen immer wieder und erfolgreicher versuchen, ein Spiel aufzubauen und durch den schwächsten Punkt der deutschen Mannschaft — die Abwehr — durchzukommen. In der 39. Minute erkannte der norwegische Schiedsrichter Henning ein ganz klares Foul von Smolarek an Mertesacker und zog sofort die gelbe Karte. Nach einer Minute Nachspielzeit durften dann die etwas passiv gewordenen Deutschen und die stärker gewordenen Polen in die Halbzeitpause gehen.

Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als würde Deutschland einer 12-jährigen Reihe von verlorenen oder unentschiedenen Spielen in einer Europameisterschaft vielleicht ein Ende setzen. Doch dazu mussten sie in der zweiten Hälfte wieder etwas mehr Druck ausüben, nicht das 1:0 absichern und nur auf Abwehr gehen. Zum Start der zweiten Hälfte sah das nicht so aus. Der polnische Trainer witterte eine Chance und stellt seine Jungs offensiver auf. Er schickte Guerreiro für Zurawski ins Spiel und hoffte, dadurch den Angriff seiner Mannschaft weiter zu stärken und den Druck auf die Deutschen aufrecht zu erhalten. Die deutsche Mannschaft hingegen war unverändert in die zweite Hälfte gestartet. Löw agierte ganz nach dem Spruch: „Never change a winning team“ (Ändere nie ein Siegerteam). In den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte ließen die Deutschen allerdings wieder den Polen zu oft die Zeit, ihr Spiel aufzubauen. Immer wieder bewahrte Torhüter Jens Lehmann die Deutschen vor dem Ausgleich. Es schien, als wäre Deutschland etwas konzentrationslos ins Spiel gekommen. Auch Jogi Löw wechselte nun und brachte Bastian Schweinsteiger für Fritz; er wollte frischen Wind ins Team bringen. In der 59. Minute bekam Lewandski die gelbe Karte, nachdem er Podolski niedergestreckt hatte. Drei Minuten später dann der erste Schock für Deutschland. Smolarek versenkte den Ball in Lehmanns Kasten. Allerdings erkannte der Schiedsrichter auf Abseits, somit: Kein Tor für Polen. In der 64. Minute musste auch Deutschland einmal auf den gelben Karton blicken, denn der zuvor eingewechselte Schweinsteiger — kurz Schweini genannt — spielte ein hartes Foul an Golanski und sah dafür Gelb.

Polen wollte noch offensiver agieren und brachte Piszcek für Lobozinski, um noch mehr Druck auf die passiv gewordene deutsche Mannschaft auszuüben. Die jedoch… wurde wieder stärker! Der deutsche Kapitän Michael Ballack bekam in der 69. Minute eine gute Chance auf ein Tor, die er allerdings nicht verwandeln konnte. Viele Torschüsse — sowohl bei den Polen als auch bei den Deutschen — führten nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Aber dann kam wieder Poldi. Lukas Podolski schoss in der 72. Minute und… traf zum 2:0. Schweinsteiger hatte den entscheidenden Pass herein gegeben, an den Klose nicht heran kam, der es dann aber dem gebürtigen Polen Podolski ermöglichte, einfach draufzuhalten und den Ball im polnischen Tor zu versenken. Auch bei diesem Treffer freute sich Lukas Podolski irgendwie nicht so richtig, denn die Treffer die er landete, musste er gegen sein Geburtsland Polen schießen, in dem noch heute ein Großteil seiner Familie lebt. Manchmal ist es nicht so einfach, zwei Nationalitäten zu besitzen. Bei Podolski änderte der Zwiespalt, in dem er sich befand, aber nichts daran, dass er vollen Einsatz für die Deutsche Mannschaft gegeben hat und wohl der beste Spieler auf dem Platz gewesen ist: Ein Spieler, bei dem eben zwei Herzen in der Brust schlagen.

Spätestens ab dem zweiten Tor ging es wieder bergauf mit Löws Jungs. Manche würden sagen, Deutschland war wieder aufgewacht. In der 76. Minute kam für Gomez bei den Deutschen mit Hitzelsberger noch einmal frischer Wind in die Mannschaft. Der Druck der Mannschaft nach vorne ließ nicht nach. Die letzten Minuten waren eine letzter Versuch einer Aufholjagd der Polen, die sich in der 83. Minute noch einmal eine Riesenchance erspielten, bei der Jens Lehmann — der deutsche Torwart — wieder sicher seinen Mann stand und Schlimmeres verhindern konnte. Das ganze Spiel über war Lehmann sehr sicher und souverän und versuchte seine Jungs, weiter weg von seinem Kasten zu treiben. Drei Minuten Nachspielzeit beschloss der Unparteiische; in der 90. Minute kam noch Kevin Kuranj für Miroslav Klose ins deutsche Team. Es blieb beim 2:0 für Deutschland. Die Mannschaft hat ihren Anspruch auf den Titel „Europameister“ damit gefestigt. Ihr Kapitän (Michael Ballack), dessen Kopf ja in der polnischen Presse gerollt ist, hatte seine Jungs auf dem Spielfeld gut im Griff und konnte seine Position als Libero gut ausfüllen. Mit einigen Chancen wurde er den Polen durchaus gefährlich. Alles in allem siegten die Deutschen in diesem Spiel verdient; nach einem sehr schnellen und angriffsstarken Spiel gingen sie in die Fankurve, um sich bei den Fans zu bedanken. Eine schöne Geste!

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