Sep 9, 2010 | Matchberichte
Finale: Spanien – Deutschland: 1:0 - Spanien holt sich den EM-Titel
Es wurden Träume wahr und es sind ebensolche geplatzt. Luis Aragones und seine Jungs holten den EM-Titel seit 1964 endlich wieder nach Spanien. Souverän gewannen sie mit 1:0 durch ein schönes Tor von Torres gegen die Deutsche Nationalmannschaft. Spanien — wie so oft auch dieses Mal eine Art Geheimfavorit im Turnier und ganz besonders in diesem Finalspiel — behielt die stärkeren Nerven in den letzten 90 Minuten dieser Europameisterschaft 2008. Sicher setzte das Team seine Spielkünste und Ballsicherheit auch gegen die Deutschen ein und gewann so sehr souverän den Titel des Europameisters. Für die Iberer wurde endlich ein Traum wahr. Und Deutschland? Joachim Löw und seinen Jungs ist wieder einmal ein Titelgewinn verwehrt gewesen. Hier ist ein Traum geplatzt. Besonders für den Torhüter Jens Lehmann, der zwar beim 1:0 der Spanier etwas ungeschickt aussah, dem aber ansonsten keinerlei Vorwürfe zu machen sind, trauert um den knappen Titelverlust, da er vermutlich bei der WM 2010 in Südafrika nicht mehr dabei sein wird. Auch Michael Ballack — der Kapitän der Nationalmannschaft — musste sich nach vielen zweiten Plätzen auch jetzt wieder mit einem zweiten Platz zufrieden geben. Doch wie Löw schon im Interview nach dem verlorenen Titel verlauten ließ, die Mannschaft wird weiter trainieren und sich, nachdem der Verlust verdaut ist, ganz auf die nächsten Spiele, insbesondere auf die Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft konzentrieren.Man merkte beiden Mannschaften im Vorfeld des Finalspiels schon an, dass sie den Gegner respektieren. Die Spanier behaupteten von der deutschen Mannschaft, auf einen wirklichen Turnierprofi zu treffen und gegen eine Mannschaft spielen zu müssen, die großartig ist: im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Spanier waren bei dieser Partie mit ihren durchschnittlichen 1,70m Körpergröße pro Mann um ein ganzes Stück kleiner als die Deutschen. Auch Deutschland zog natürlich den Hut vor der sagenhaft spielenden spanischen Mannschaft, die mal eben den amtierenden Europameister Griechenland, dann den Weltmeister Italien aus dem Turnier gekickt hatte. Eigentlich begann alles recht viel versprechend für die Deutschen; es schien, als ob Deutschland die Iberer mitsamt ihrem starken Mittelfeld knacken könne. Sie spielten sehr geordnet und setzten alles daran, die Spanier nicht zu sehr ins Spiel kommen zu lassen. Leider verhinderten einige Fehlpässe und die unsichere deutsche Abwehr, den versprochenen Siegeszug der Deutschen. Unsicherheit zeigte auch Bastian Schweinsteiger, der im Halbfinale ein wirklich sagenhaftes Spiel geliefert hatte. Nach etwa zehn Spielminuten gewannen die Spanier mehr und mehr Selbstvertrauen und — man muss es zum Leidwesen der Deutschen sagen — beherrschten immer mehr diese Partie. Zahlreiche gewonnene Zweikämpfe und unzählige Fehlpässe der Deutschen ermöglichten es den Spaniern, ein ums andere Mal auf Lehmann zulaufen zu können.
Die Spanier besaßen natürlich auch in diesem Spiel wieder ein stark aufgestelltes Mittelfeld, das sehr ballsicher war. Dies war wohl das größte Problem für Deutschland. Die Deutschen konnten den Ball nicht mehr unter Kontrolle bringen und die Spanier spielten mehr und mehr auf und verzauberten mit ihren Ballkünsten und ihrer Ballsicherheit die Zuschauer im Stadion und an den Bildschirmen. Die Aragones-Jungs konnten langsam aber sicher wieder an das Spiel im Halbfinale anknüpfen und beherrschten auch gegen Deutschland wie schon gegen die Russen den Ball und somit auch das Spiel. Zahlreiche Angriffe der Spanier scheiterten an dem im Finale wirklich starken Hintermann der Deutschen, an Jens Lehmann. Doch dann war gut eine halbe Stunde gespielt und Deutschland kämpfe wieder mit den schnellen Angriffen der Spanier, als einer dieser Angriffe in einem Duell des deutschen Lahm und des Spaniers Torres endete. Lahm konnte gegen den Spanier nicht viel ausrichten und verließ sich wohl auf den herausgelaufenen Lehmann, der den Ball aber nicht in seine Hände bekam. So konnte Fernando Torres den Ball über den Deutschen Tormann hinweg in der 33. Spielminute zum 1:0 in den Kasten der Deutschen lenken.
Doch ganz im Gegensatz zu den Russen im Halbfinale ließen die Deutschen sich durch den Führungstreffer der Spanier nicht einschüchtern. Sie kämpften weiter: allerdings wie gegen Windmühlen. Es sah in einigen Spielszenen dann auch noch so aus, als würde der Italienische Unparteiische auch noch ein bisschen spanisches Blut in den Adern haben, denn er übersah einige Foulspiele der Spanier an den Deutschen. Im Großen und Ganzen pfiff Rosetti jedoch eine durchaus ehrenwerte EM. Zurück zum Spiel. Die Spanier spielten bärenstark, und Deutschland gelang es immer weniger trotz erkennbaren Willens, den Spaniern ihr Herzstück — das starke und sichere Mittelfeld — zu zerreißen. Mit dem Führungstor der Spanier verabschiedeten sich beide Mannschaften dann nach 45 Minuten plus einer Nachspielminute in die Halbzeit. Spanien schien auf dem Siegeszug. Deutschland war in der Bredouille und war gezwungen zu handeln.
In der zweiten Hälfte wurde Lahm auf deutscher Seite ausgewechselt, er hatte sich wohl eine Fleischwunde zugezogen, die genäht werden musste. Die Spanier spielten ganz nach dem Motto „ Never change a winning team “ und kamen unverändert und mit spanischem Feuer in den Adern, aus der Kabine. Deutschland versuchte, wieder sehr offensiv zu spielen, scheiterte aber – wie so oft schon im spanischen Mittelfeld. Irgendwie hatte dann auch noch Torsten Frings ein Blackout und schoss einen Pass zu einem Spanier; schon rochen die wieder die Beute. Sie nahmen das Spiel wieder in die Hand. Es musste nun endlich etwas passieren bei Deutschland. Das wusste auch Joachim Löw und brachte mit Kevin Kuranj eine zweite Spitze, um nicht Miroslav Klose alleine die Arbeit zu überlassen. Ab der 60. Minute schien es tatsächlich eine kleine Weile lang so, als hätte diese taktische Handlung des deutschen Trainers die Spanier aus dem Konzept geworfen. Die Deutschen bekamen den Ball wieder öfter unter Kontrolle und hielten sich mit Fehlpässen zurück. Öfters ergab sich die Chance für sie, auf das spanische Tor zusteuern zu können. Die Jungs aus Deutschland kämpften bis aufs Blut: im wahrsten Sinne des Wortes. Lahm hatte eine blutende Fleischwunde am Fuß und Michael Ballack bekam bei einem Kopfballduell eine Platzwunde am Auge, die genäht werden musste. Es kann keiner Löws Jungs nachsagen, sie hätten nicht gefightet. Doch was nicht sein soll, soll halt nicht sein. Die Deutschen schafften es extrem selten, eine gefährliche Szene herauszuspielen und die Spanier aus ihrem Konzept zu werfen. Die Spanische Mannschaft um Luis Aragones war einfach zu stark. Trotz deutscher Versuche waren die Spanier in diesem Spiel ihrem zweiten Tor näher als die Deutschen dem Ausgleich. Doch kämpften die Deutschen, wollten unbedingt den Titel nach Deutschland holen. Spanien versuchte dagegen alles, sich den EM-Sieg nicht mehr wegnehmen zu lassen. Und sie gingen auch weiterhin auf Angriff. Deutschland kämpfte nun nicht mehr nur gegen Spanien, sondern auch noch gegen die Zeit. 90. Minuten gespielt: Der Schiedsrichter ließ drei Minuten nachspielen. Es musste doch klappen! Das ist es wohl, warum Deutschland so unsicher aussah und Spanien immer sicherer wirkte. Mit aller Macht wollte Deutschland wenigstens einen Ausgleich erzielen um vielleicht in der Verlängerungszeit oder auch im Elfmeterschießen den Pokal zu bekommen. Doch … es ging nicht. Der Schlusspfiff erlöste beide Mannschaften aus dem Spiel: die einen als Sieger und die anderen als Zweite. Spanien bekommt den Pokal und darf ihn mit nach Hause nehmen. Deutschland muss sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben.
Wenn man dieses Spiel einmal in einem Satz wiedergeben soll, dann greift der alte Spruch: Die bessere Mannschaft hat gewonnen!!! Spanien ist verdient Europameister 2008 geworden. Deutschland hätte es in den Händen gehabt, aber es reichte gegen die scheinbar unschlagbar starke Mannschaft aus Spanien nicht. Sie durften sich nach dem Spiel über den Pokal freuen, werden sicher noch lange mit all den spanischen Landsleuten feiern und in der Heimat mit Freuden erwartet. Deutschland muss weiter von einem Titel träumen. Die Deutschen spielten ein durchweg passables Turnier, sind ins Finale gekommen, und scheiterten letztendlich an einer grandios spielenden spanischen Mannschaft. Europameister 2008 in Österreich und der Schweiz sind die Iberer um Trainer Luis Aragones aus Spanien. Wir gratulieren ganz herzlich zum Titelgewinn!!!
Kommentare
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Von Markus
Am Jun 30, 2008Ich fand es einfach nur super genial wie eine Stimmung wie zur WM wieder in Deutschland herrschte. Weil sich unsere Jungs auf dem Platz abrackerten, hatten wir wieder ein kleines Sommermärchen - sogar mit Finalbeteiligung. Mal ehrlich: Wer hätte das vor der EM gedacht. Einige Leute haben sich dazu schon ein paar Gedanken gemacht und den Blog www.wir-danken-jogi.de ins Leben gerufen. Dort kann man seinen Dank an Jogi und seine Jungs aufschreiben. Bidler und Videos können auch veröffentlicht werden. Finde ich eine schöne Idee, auch wenn ich bezweifle, dass Die Nationalmannschaft viel davon liest.

