Sep 10, 2010 | Matchberichte
Frankreich – Italien: 0:2 - Weltmeister Italien schickt Frankreich nach Hause
In einem spannenden Spiel, das den Charakter eines Endspiels hatte, kam es zum entscheidenden Show-down zwischen Frankreich, dem Vize-Weltmeister, und dem Weltmeister Italien. Von vorneherein war klar, dass mindestens eine der beiden Mannschaften nach der Vorrunde nach Hause fahren muss. Nach einem spannenden Match stand es dann fest: Frankreich muss nach der Vorrunde der EM die Koffer packen.Um 20.45 Uhr wurde das Spiel Frankreich gegen Italien planmäßig angepfiffen. Sofort gaben beide Mannschaften Vollgas und man merkte sofort, dass beide Mannschaften sich der ernsten Lage bewusst waren. In der zweiten Minute kam es zum ersten Torschuss durch die Franzosen. Franck Ribery versuchte einen Schuss, der jedoch wurde abgefälscht und landete im Aus. Der nun folgende Eckball wurde von Ribery ausgeführt, aber ein Italiener konnte ihn ohne Probleme hinter das Tor köpfen. Der zweite Eckstoß wurde von der italienischen Abwehr kontrolliert aufgenommen. Sofort schalteten die Italiener den Vorwärtsgang ein; in der vierten Minute startete Luca Toni seinen ersten Angriff. Die Abwehr der Franzosen machte einen kleinen Fehler und Toni nutze seine Chance. Plötzlich stand er alleine vor dem französischen Keeper und zog ab. Das Leder ging knapp am Tor vorbei. Nun waren wieder die Franzosen am Zug. Mehrere gute Angriffsmomente konnten jedoch nicht richtig verwertet werden. In der siebten Minute kam es dann zu einer mittleren Katastrophe für die Franzosen. Ribery beging ein Foul an Zambrotta und verletzte sich dabei selbst. Minutenlang blieb er mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden liegen, bis dann entschieden wurde, ihn aus dem Spiel zu nehmen. Für den wichtigen Mittelfeldspieler kam nun Nasri ins Spiel. Die Franzosen waren sichtlich geschockt vom Ausfall ihres Stars und die Italiener konnten die Initiative ergreifen. In der elften Minute wurde es nach einem Eckball im Strafraum der Franzosen wirklich gefährlich: Panucci kam zum Kopfball und nur dank des Spielers Makelele wurde Schlimmeres aus Sicht der Franzosen verhindert. Die Fans Frankreichs erkannten die Lage ihrer Mannschaft und feuerten weiter kräftig an: "Allez lez Bleus"!
In der 17. Minute gab es die erste gelbe Karte des Matches, als Evra den Italiener Cassano anging. Der Freistoß, der aus dieser Situation folgte, war kein Problem für Torwart Coupet. Er konnte den Ball wegfausten, doch Gattuso bekam ihn vor die Füße. Er drang in den Strafraum ein und… fiel hin. Der Schiedsrichter entschied, keinen Elfmeter zu geben. Die Franzosen nutzen diese Verwirrung und leiteten einen Konter ein, der daraus resultierende Torschuss ging jedoch deutlich am Pfosten vorbei. Nun waren wieder die Italiener am Zug. In der 24. Minute wurde ein langer Pass auf Luca Toni gespielt, den dieser im Strafraum nur mit Mühen annehmen konnte. Der Franzose Abidal stoppte Toni unsanft. Elfmeter! Abidal wurde mit der roten Karte bestraft und musste den Platz verlassen. Die Franzosen spielten jetzt nicht nur ohne Ribery, sondern auch ohne Abidal. Pirlo verwandelte den Strafstoß sicher und brachte die Italiener damit dem Viertelfinale ein Stückchen näher.
Das Tor und die Überzahl beflügelten die Italiener, die nun einen gefährlichen Angriff nach den nächsten starteten. De Rossi setzte zum Beispiel in der 27. Minute einen Torschuss ab, der nur knapp über die Latte in das Aus flog. Bereits eine Minute später kam wieder eine Flanke in den französischen Strafraum und Luca Toni schoss das Leder mit der Hacke nur knapp am Tor vorbei. In diesem Tempo ging es weiter und die Chancen für die Italiener ergaben sich im Minutentakt. Die Abwehr der Franzosen war ein wenig desorientiert, doch die Italiener schafften es nicht, den Ball in den Kasten der Franzosen zu bringen. Ribery stellte für die Franzosen einen sehr großen Verlust im Mittelfeld dar; aus diesem Grund versuchte man nun, den Torjäger Henry mit hohen Bällen zu füttern. Dies gelang jedoch nur mit mäßigem Erfolg. In der 34. Minute feuerte dann Henry einen ersten Torschuss abfeuern, der jedoch das Tor verfehlte. Nach dieser kurzen Einlage eroberten wieder die Italiener die Initiative zurück und stürmten weiter auf das französische Tor zu, doch man merkte, dass sich die Franzosen nun langsam sortierten und wieder etwas stärker wurden. Sie versuchten es weiterhin mit hohen Pässen auf Henry, die aber nur wenige Erfolgschancen versprachen. Kurz vor der Pause kam es erneut zu einer schwierigen Situation für die Franzosen. Grosso führte einen Freistoß aus und der Ball flog an den Pfosten. Pirlo bekam in der 45. Minute noch einmal eine gelbe Karte und wird aus diesem Grund am Viertelfinale nicht teilnehmen können. In der Nachspielzeit gab es eine weitere gelbe Karte für die Italiener: für Chiellini. Kurz darauf wurde die erste Halbzeit abgepfiffen.
Die zweite Halbzeit begann nun etwas strategischer auf beiden Seiten und die Franzosen hatten Hoffnung, hier vielleicht doch noch als Sieger vom Platz zu gehen. In der 50. Minute konnte man sehen, dass die Franzosen sich noch lange nicht geschlagen gaben und weiterhin Druck machten. Benzema schoss einen Ball aus nur 20 Metern Entfernung auf das italienische Tor, der jedoch knapp über das Tor flog. Zwei Minuten später war der Ball schon wieder bei Henry im italienischen Strafraum, doch Buffon konnte diese Situation ohne Probleme klären. In der 54. Minute gab es eine weitere gelbe Karte für die Italiener; wenn das so weiter geht, könnten sich diese vielen gelben Karten im weiteren Turnier noch zu einem Problem für die Italiener entwickeln. Die Fans erfuhren inzwischen auch vom Spielstand im Spiel Holland gegen Rumänien. Da die Holländer auch dieses Spiel souverän dominierten, war die Freude bei den italienischen Fans natürlich groß. Die Franzosen zeigten nun auch schon erste Schwächen und hatten das Spiel zunehmend weniger im Griff. In der 62. Minute machten die Italiener das Spiel endgültig klar. De Rossi führte seinen Freistoß perfekt aus und Henry fälschte den Ball zu allem Übel auch noch ab. Für den Torwart der Franzosen war der Ball nicht mehr zu halten. Die Italiener führten nun 2:0 und waren ganz klar die dominierende Mannschaft auf dem Platz.
Nun wurde das Spiel zunehmend härter und es kam zu diversen kleineren Fouls. In der 74. Minute glänzten dann auch die Franzosen noch einmal. Benzema hämmerte einen wunderschönen Schuss auf das Tor und Buffon konnte den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen am Tor vorbei drücken. In den letzten zehn Minuten spürte man bei den Franzosen, wie viel Kraft das Spiel in der Unterzahl und die dadurch resultierende zusätzliche Laufarbeit gekostet hatten: Sie waren nicht mehr ganz so fit. Die Italiener hatten dieses Spiel nun voll unter Kontrolle und man stürmte unentwegt auf das französische Tor zu. Hier wurde aber auch noch einmal das derzeitige Problem des Weltmeisters deutlich. Sie hatten Schwierigkeiten damit, die durchaus vorhandenen und guten Chancen zu verwerten. In der Nachspielzeit wartete dann Luca Toni noch einmal mit einer sehr guten Torchance auf und traf in den letzten Sekunden den Pfosten. Kurz darauf war das Spiel zu Ende und die Italiener hatten das Viertelfinale erreicht. Die Franzosen dürfen nun die Heimreise antreten. Freuen wird sie das nicht.

