Sep 10, 2010 | Matchberichte
Kroatien – Polen: 1:0 - Kroatien schenkt Polen nichts… bis auf die Fahrkarte nach Hause
Vor dem Spiel am heutigen Abend stand eins bereits fest: Kroatien hat das Viertelfinale dieser Fußball-Europameisterschaft bereits nach den ersten beiden Spielen souverän erreicht und Polen durfte sich nur noch bei einem hohen Sieg eine Chance auf ein Weiterkommen in diesem Turnier ausrechnen. Der Trainer der polnischen Mannschaft, Leo Beenhakker, wurde im Vorfeld des letzten Spieles von der Presse hart kritisiert. Nachdem die Polen in der EM-Qualifikation sogar mehr Punkte als der jetzige Turnierfavorit Portugal erreicht hatten, ließ ihre Leistung in den ersten zwei Spielen der Vorrunde — zumindest nach Meinung der polnischen Presse — schwer zu wünschen übrig.Das kroatische Team lief mit Trauerflor auf das Spielfeld auf. Den trug es zur Erinnerung an einen gerade einmal zwanzigjährigen Fan, der nach dem Sieg gegen die deutsche Nationalelf in Klagenfurt an einer Herzattacke gestorben war. Die kroatische Aufstellung ließ Viele der kroatischen Superstars vermissen. Nur vereinzelt sah man ein aus den zwei vorherigen Spielen bekanntes Gesicht. Nun hatten also andere Spieler Kroatiens Raum, sich zu beweisen. Trainer Slaven Bilic schonte seine „Top-Jungs“; ihm war wohl auch bewusst, dass ganze sechs der neun Stammspieler bereits mit einer gelben Karte vorbestraft waren. Ein erfahrener Trainer geht da in so einer unbedeutenden Partie kein Risiko ein.
Schiedsrichter Kiros Vassaras pfiff die Partie an. Schon nach drei Minuten folgte das erste harte Foul. Dario Knezevic ließ seinen polnischen Gegner, Marek Saganowski, mit einem rauen Einstieg wissen, dass die Kroaten auch diese Partie nicht verschenken würden. Trotzdem begannen beide Mannschaften das Spiel relativ ruhig. Insbesondere das polnische Team versuchte, den Ball „flach“ zu halten, um keinen vorzeitigen Fehler zu begehen. Nach fünf gespielten Minuten, fingen die Polen auch an, mutiger zu werden und spielten in Richtung des kroatischen Tores. Bei einem dieser polnischen Angriffe, stolperte Nikola Pokrivac über seinen eigenen Torwart und es schien, als hätte er dabei eine ernsthafte Verletzung im Gesicht erlitten. Alle Aufregung war aber Gott sei Dank unnötig: Nach kurzer Behandlung flitzte Pokrivac schon wieder über das Spielfeld. Kurz darauf herrschte Aufregung im polnischen Fanblock. Nach einem gut getretenen Eckball auf den langen Pfosten durch den Polen Jacek Krzynowek, kam sein Teamkollege Dariusz Dudka mit dem Kopf ans Leder und verpasste das erste Tor in diesem Spiel nur um Haaresbreite. Wäre auch zu schön für die polnische Mannschaft gewesen! Die Antwort der Kroaten auf diesen polnischen Vorstoß folgte ganze vier Minuten später: Dario Knezevic kam vorm Kasten des gegnerischen Tores zum Schuss. Der Ball schrammte noch den Pfosten, ging aber nicht ins Netz, Die Kroaten verpassten den Führungstreffer. Aber sie waren weiter am Ball. In der 18 Minute kam Mladen Petric aus kurzer Distanz mit dem Kopf zum Zuge und verpasste nur knapp den Kasten von Artur Boruc. Bei einem etwas präziseren Kopfball wäre der polnische Torhüter wohl völlig chancenlos gewesen. Kurz darauf bekamen die Kroaten einen Freistoß: Nur 20 Meter vom polnischen Tor entfernt, drosch Rakitic das Leder auf Boruc, der den Ball jedoch sicher greifen konnte.
Die 27. bedeutete für den Kroaten Dario Knezevic das AUS. Er humpelte nur noch zur Seitenlinie und musste gegen Vedran Corluka eingetauscht werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich Knezevic bis zum Viertelfinale erholt hat oder weiterhin ausfällt. Ein Raunen ging durchs Stadion, als Ivan Klasnic in der 33. Minute plötzlich völlig frei vor dem Tor von Boruc stand und… das Duell mit dem polnischen Keeper verlor. Spätestens nach dieser 100% - Chance hätten die Kroaten in Führung gehen müssen, aber es stand weiterhin 0:0. Kurz vor der Halbzeitpause kamen die Polen noch einmal ins Spiel. In der 42. Minute erhielten sie einen Freistoß an der Strafraumgrenze der Kroaten. Jacek Krzynowek konnte dem Ball aber nicht den nötigen Drall geben und haute das Leder über die kroatische Mauer ins Aus. Dann schien es wiederum, als könnte der polnische Traum noch vor der Halbzeitpause zerplatzen. Zum zweiten Mal stand Ivan Klasnic alleine vor dem polnischen Torhüter und zum zweiten Mal hieß der Gewinner dieses Duells: Artur Boruc. Dies war die letzte sehenswerte Szene in der ersten Halbzeit.
Der Mann der ersten Minuten der zweiten Halbzeit war eindeutig der Pole Roger Guerreiro. Er beeindruckte durch ein schönes Passspiel und seinen großen Willen, mit seiner Mannschaft in diesem Turnier vielleicht doch noch ein Stückchen weiter zu kommen, als nur bis zum Ende der Vorrunde. Ganze sieben Minuten beherrschten die Polen die zweite Halbzeit. Es sah einige Zeit so aus, als würden sie nun das Spiel in die Hand nehmen und den Kroaten so richtig Druck machen. Falsch gedacht! Nachdem Ivan Klasnic in der ersten Hälfte zwei dicke Tormöglichkeiten vergab, fackelte er in der 52. Minute nicht lange und brachte seine Mannschaft durch einen gut gezielten Schuss ins untere Eck von Boruc, mit 1:0 in Führung. Die Polen gerieten in Rückstand: Nun würde es sie richtig schwer werden, sich den Einzug ins Viertelfinale noch zu sichern
Kroatien war von nun an wieder Herrscher über die Partie. Eine eigentliche Flanke von Pranjic wurde wohl eher ungewollt zum gefährlichen Torschuss, denn das Leder krachte unvermittelt auf die Latte des polnischen Tores. Nur wenige Zentimeter, eventuell auch die bestehenden Windbedingungen verhinderten den zweiten Treffer für die kroatische Elf. Dann gab es durch Guerreiro doch noch einmal eine Chance für die Polen. Im Strafraum der Kroaten kam er plötzlich an den Ball und schoss nach einer gekonnten Drehung auf den Kasten von Vedran Runje. Aber wieder einmal ging der Ball am Pfosten vorbei. Glück für den kroatischen Keeper, denn bei dem Schuss hätte er wohl keine Chance auf eine Glanzparade gehabt. Die Minuten darauf hielten die Kroaten das Spiel im Griff. Nur einzelne Vorstöße ihrer Gegner ließen die Hoffnungen der polnischen Fans immer wieder aufflammen. Zum Beispiel in der 74. Minute: Ebi Smolarek kam mit dem Kopf an den Ball, der sogar noch leicht die Latte des kroatischen Tores berührte. Zu mehr war nun die polnische Mannschaft allerdings nicht mehr in der Lage. In den nächsten Minuten folgten nicht mehr als klägliche Angriffsversuche der Polen. Ganze fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit versuchte noch einmal Smolarek sein Glück, aber er kickte den Ball nur über den kroatischen Kasten hinweg. Das brachte zwar nicht viel, aber es war einen Versuch wert. Drei Minuten später folgte die größte und gleichzeitig letzte Chance der Polen: Nach einem guten Pass von Smolarek auf Zahorski stand dieser frei vorm kroatischen Tor. Machen wir es kurz: Er behielt keine Nerven und vergab auch diese wirklich gute Tormöglichkeit. Traurig! Nach drei Minuten Nachspielzeit war das Leiden der polnischen Fans dann auch vorbei. Leo Beenhakker schüttelte seinem Kollegen Slaven Bilic die Hand und verzog dabei keine Mine. Es bleibt spannende Frage, ob er die polnische Mannschaft auch weiterhin trainieren wird. Für Kroatien waren schon vor dem Spiel alles Schäfchen im Trockenen. Sie treffen nun im Viertelfinale gegen die starken Türken, die Polen dagegen… packen Koffer.

