Sep 9, 2010 | Matchberichte
Niederlande – Italien: 3:0
Ein geschlagener Weltmeister - Pünktlich um 20.45h pfiff Schiedsrichter Peter Fröjdfeldt das Spiel an. Logisch, dass insbesondere an den Weltmeister Italien hohe Erwartungen gestellt wurden. Unklar war jedoch, ob die Italiener die aber auch erfüllen können? Um es vorweg zu nehmen: Sie konnten es nicht! Für ihren Coach, Roberto Donadoni, mag das den Druck, den er verspürt, noch verstärken: Er hat zwar einen neuen Vertrag unterzeichnet, aber die Italiener haben sich das Recht vorbehalten, ihm bei eventuell schlechten Leistungen der Mannschaft innerhalb einer Frist von bis zu 10 Tagen nach Ende der EM kündigen zu können.Zu Beginn des Spiels gingen alle Spielbeteiligten auf Seiten der Italiener — Donadoni inklusive — das Spiel recht ruhig, aber zum Kampf entschlossen und auch siegessicher an. Das Tor des Gegners erreichten jedoch die Niederländer zuerst: Ruud van Nisterooy war in Ballbesitz und das in unmittelbarer Nähe des italienischen Tores. Es blieb beim 0:0 — vorerst! Die Stimmung während der gesamten ersten Spielphase war ausgezeichnet: bestens gelaunt, optimistisch und auch ein wenig siegessicher präsentierten sich die niederländischen Fans — konnten sie hellsehen? In der elfen Minute bot sich für die Italiener die erste Torchance: Luca Toni in Ballbesitz - lief auf das gegnerische Tor zu und… die Folge dieses aufregenden Ballwechsels war ein Freistoß für die Niederländer, den sie aber nicht verwandelten: Immer noch hieß der Spielstand 0:0. Erneut bot sich in der 17. Spielminute für van Nisterooy eine attraktive Torchance, die er aber wiederum nicht nutzen konnte.
Schon während dieser ersten Minuten fiel übrigens die relativ schlechte Bodenbeschaffenheit im Stadion auf: Immer wieder rutschte der eine oder andere Spieler aus, kleinere Löcher in der Rasenoberfläche waren erkennbar, was alles in allem natürlich nicht unbedingt zu perfekten Spielbedingungen beitrug. Seitens der Veranstalter war selbstverständlich das Gegenteil beabsichtigt, auf den ursprünglichen Rasenbelag (Kunstrasen) hatten sie echten (Roll-)Rasen gelegt, um eine hervorragende Spielfeldbeschaffenheit des Platzes zu gewährleisten. So ganz funktioniert hat die Sache wohl nicht!
Letztendlich schien dieses Problem insbesondere den Niederländern jedoch nicht sonderlich viel auszumachen: In der 25. Spielminute fiel das erste, von den niederländischen Fans heiß ersehnte Tor: Van Nisterooy schoss das fünfte EM-Tor seiner Karriere. Dennoch herrscht zunächst Unsicherheit. War der Spieler im Abseits? Die Italiener beschwerten sich, ihre Fans waren sauer - aber schon in der Zeitlupe wurde erkennbar, dass es ganz offenbar eine korrekte Entscheidung der Schiedsrichter gewesen ist, das Tor zu geben. Es blieb beim 1:0! Bei den Italienern war die Stimmung von nun an natürlich auf dem Nullpunkt; die hohen Erwartungen wurden enttäuscht. War eine Wende der Situation zu erwarten? Sollten die Italiener im Endeffekt doch noch ihrem Status als Weltmeister und EM-Favorit gerecht werden? Wir nehmen es erneut vorweg: Nein! Bereits fünf Minuten später, in der 30. Spielminute, fiel das 2:0 für die Niederlande! Wesley Sneijder war der erfolgreiche Torschütze. Die ohnehin schon glänzende Stimmung bei den niederländischen Fans schlug nun vollends um in einen Riesenjubel. Es schien fast so, als seien keine italienischen Fans mehr im Stadion, jedenfalls verhielten sich diese nur noch sehr still. Von Hoffnung und Siegessicherheit war hier nichts mehr zu spüren.
Die Italiener versuchten, das Blatt zu wenden. Di Natale in Ballbesitz, die Italiener hofften, aber di Natale verpasst auch diese Torchance - was natürlich nicht unbedingt zur Verbesserung der Stimmung bei den italienischen Fans beitrug. Gianluca Zambrotta sah in der 24. Minute aufgrund eines Fouls gelb. Irgendwie schienen sich die Italiener allerdings nunmehr mit ihrer Niederlage abgefunden zu haben… - oder?! Zwischendurch bot sich für sie zwar der eine oder andere Hauch einer Torchance, insbesondere Luca Toni kämpfte, jedoch gelang es auch ihm während der gesamten bisherigen Spielphase nicht, einen Treffer zu erzielen. Für die Niederländer bot sich indes wieder eine Torchance: In der 42. Minute schoss van Nisterooy wieder auf das gegnerische Tor - traf aber nicht. Mit einem 2:0 ging es letztendlich dann erst einmal in die Pause. Die siegessicheren Niederländer konnten die zweite Hälfte offenbar nicht erwarten, aber auch die Italiener erhofften sich in den kommenden 45 Minuten bessere Chancen. Dementsprechend kampfbereit und aggressiv präsentierten sich beide Mannschaften dann auch in den ersten Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit auf dem Spielfeld. In der 50. Minute sah Gatturo aufgrund eines Fouls gelb, ebenso Nigel de Jong von den Niederländern. Immer wieder fiel Luca Toni auf, der ganz offensichtlich verzweifelt versuchte, endlich einen Treffer ins gegnerische Tor zu erzielen. Frust und Niedergeschlagenheit und ein immer wieder aufflackernder Hoffnungsschimmer war in seinen Augen zu sehen. Aber das Glück war an diesem Abend eindeutig nicht auf seiner Seite. Von ihm war — auch im vorangegangenen Spiel — letztlich nur sehr wenig zu sehen: Zumindest ein erfolgreicher Treffer wäre ihm vergönnt gewesen.
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Niederländer in diesem Spiel die besseren Spielerqualitäten präsentierten. Ihre weitaus aggressivere Spielweise in Kombination mit Weitsichtigkeit, Einsatz und viel Spielfreude trug klar dazu bei, dass die Leistungen der Italiener eher unauffällig blieben. In der 77. Minute dann wurde es wiederum sehr spannend. Fabio Grosso wollte die sich bietende und lang erhoffte Torchance nutzen, die Stimmung bei den italienischen Fans kochte hoch… ein Tor gab’s nicht! Die Niederländer zeigten sich äußerst kämpferisch - sie alle wollten nur noch das Eine: das Spiel mit einem „zu null“ gewinnen! Dass ihnen das eventuell auch gelingen wird, zeigte sich schon wenige Sekunden später: In der 78. Minute erzielte van Bronckhorst das 3:0. Wieder einmal unbändiger Jubel - Superstimmung bei den Fans der Niederländer: verständlich! Die Italiener hingegen sahen nun alle ihre Hoffnungen und Erwartungen schwinden… - die ersten enttäuschten Fans verließen bereits das Stadion. Alle waren sich sicher: Die letzten zehn Minuten der noch verbleibenden Spielzeit werden lediglich noch ein Schaulaufen werden, denn diesen Sieg werden sich die Holländer keinesfalls mehr nehmen lassen. Aber die Italiener hatten ihre Kampfbereitschaft bereits verloren. Auch die zusätzlichen drei Minuten Spielzeit vermochten nichts mehr daran zu ändern. Dieses Spiel Niederlande gegen Italien war nicht nur äußert spannend und von einer hervorragenden Unterstützung der Fans gekrönt, sondern auch das bislang torreichste Spiel dieser EM 2008. Was mag nun in Donadonis Kopf vorgehen?
Kommentare
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Von ric
Am Oct 6, 2008wow.... das war eine Glanzleistung von Holland. Absolut spitzenklasse. Hätte es aber den Italos auch gegönnt, hätten sie dann besser gespielt. Hier hat klar der bessere verdient gewonnen. Glückwunsch nach Holland.

