Sep 9, 2010 | Matchberichte
Niederlande – Rumänien: 2:0 - Rumänien verbockt den Einzug ins Viertelfinale
Für die Rumänen ist das Ende der Europameisterschaftsreise erreicht. Sie standen so nahe vor ihrem Traum und konnten ihn nicht erfüllen. Die Rumänen traten vor einem natürlich ausverkauften Stadion in Bern gegen die Mannschaft aus Holland an, um dort um den so fest gewünschten Einzug ins Viertelfinale zu erkämpfen. Doch, um es mal vorweg zu nehmen, es gelang ihnen nicht.Als das Spiel Holland – Rumänien am Abend um 20:45 Uhr angepfiffen wurde, glaubten sogar die im Vorfeld als Außenseiter der Todesgruppe titulierten Rumänen C an einen Sieg und an einen Einzug ins Viertelfinale. Schon in Vorfeld war bekannt, dass Marco van Basten — der Niederländische Trainer — nichts riskieren will und mit der kompletten Ersatzmannschaft auflaufen möchte. Und genau so war es auch: Bis auf zwei Stammspieler wurde die niederländische Stammelf komplett ersetzt durch die Jungs von der Bank. Die Rumänen setzten sehr große Erwartungen in den spielstarken Mutu, der wohl bis dato der beste rumänische Spieler gewesen ist. Doch alle wurden des Besseren belehrt. Das Spiel begann eigentlich recht harmlos. Ruhiges, beinahe schon langweiliges Gekicke überschattete die ersten 20 Minuten des Spiels. Eigentlich waren die Holländer — auch mit ihrer B-Mannschaft — immer die spielstärkeren Jungs auf dem Platz und ließen den Rumänen nur selten die eine oder andere Chance zu. Nach zwanzig Minuten startete Holland dann einen Angriff auf das Tor der Rumänen. Ein schöner Torschuss von Robin van Persie ging aber nicht in den Kasten der Rumänen. Der Schuss schien jedoch die Rumänen aufgeweckt zu haben, die versuchten, das Spiel in die Hand zu nehmen. In der 24. Minute bekam dann Adrian Mutu die Chance auf einen schönen Torschuss, traf jedoch nicht. Nur zwei Minuten später wurde der spielstärkste Niederländer — Robin van Persie — wieder gefährlich. Aber er hatte immer noch nicht das von ihm und den Fans der Niederlande erwünschte Glück und verfehlte das Tor abermals. Nach einem Wechselbad der Gefühle – also einem „Hin und her“ – bekam Mutu noch einmal die Chance in der 30 Minute, aber auch dieser Angriff blieb nur ein erfolgloser Versuch der Rumänen. Mutu stand in diesem Spiel besonders unter Druck, da er ja bereits in einem vorherigen Spiel einen Elfmeter vergeigt hatte und diesen Fehltritt unbedingt wieder gut machen wollte. Auf den Fehlschuss Mutus folgte eine Reihe von Angriffen der Holländer. In der 34. Minute versuchte Klaas-Jan Huntelaar und in der 38. Minute Ibrahim Afellay einen Schuss aufs Tor Rumäniens, das aber weiterhin sauber blieb. Die Rumänen gerieten immer mehr unter Druck, da auch sie über den Spielstand zwischen Italien und Frankreich Bescheid wussten: Sie mussten die Niederländer schlagen, um ihren Traum vom Viertelfinale nicht platzen zu lassen. Doch nur das Vorhaben alleine reicht nicht. Es gab keine nennenswerten weiteren Spielzügen; die eigentlich recht zaghafte Partie ging in die Halbzeit.
Mit neuer Kraft kamen beide Mannschaften unverändert aufs Feld zurück. Die Rumänen hatten nach wie vor die Faust im Nacken und wussten, sie müssen gewinnen, wenn der Spielstand in der anderen Partie so bleiben würde. Es war auch klar, dass die Franzosen sicher nicht viel erreichen würden, nachdem ihr Spielmacher Frank Ribery mit einer schweren Verletzung ausgeschieden war und sie nach einer roten Karte nur noch mit 10 Spielern auf dem Feld waren. Die Rumänen mussten also unbedingt das Spiel in die Hand nehmen. Doch das gelang ihnen in der zweiten Hälfte überhaupt nicht. Die Niederländer wurden immer stärker: Van Bastens Plan, nur die B-Jungs auflaufen zu lassen und somit seinen Klassespielern einen Tag Pause zu gönnen, ging auf! Holland hat nicht nur eine Weltklasse -Stammelf, sondern — nebenbei bemerkt — auch noch einen hervorragenden B-Kader zu dieser Europameisterschaft mitgebracht. Aber … noch war ja nichts verloren für Rumänien. Bis zur erschreckenden 54. Minute. Klaas-Jan Huntelaar traf den Kasten der Rumänen mit einem sagenhaften Schuss. Die Vorgabe zu diesem Tor erfolgte durch van Persie, der durchweg ein sehr starkes Spiel liefern konnte.
Der rumänische Traum schien endgültig geplatzt. Mit diesem Tor sank das Selbstbewusstsein der Rumänen noch weiter in den Keller. Das zeigte sich auch in der 78. Minute durch ein Foul von Christian Chivu, das mit der gelben Karte bestraft wurde. Die Rumänen schienen am Boden und die Niederländer auch mit der zweiten Mannschaft auf dem Siegeszug. Van Persie suchte immer wieder den Sturm auf das rumänische Tor, was in der 87. Minute — kurz vor Schluss der Partie — mit dem 2:0-Treffer von ihm belohnt wurde. Das war auch die letzte wirklich nennenswerte Situation im Spiel der Holländer gegen die Rumänen. Die Rumänen hätten eigentlich das Schäfchen ins Trocken bringen können. Zu einem Sieg gehört jedoch etwas mehr, als nur ein bisschen auf dem Feld hin und her zu spielen. Sie hatten es in der Hand, aber sie machten nichts daraus. Die Niederländer dagegen starteten auch mit der Reservemannschaft voll durch und behielten so die weiße Weste gleich in doppelter Sicht an: Zum einen hatten sie wieder klar gesiegt und zum anderen hatten sie ein faires Spiel abgeliefert.
Mit neun Punkten ist die Niederlande nun auf Platz 1 der Todesgruppe C und trifft im Viertelfinale entweder auf Russland oder Schweden. Eigentlich dürfte keine diese Mannschaft die Niederlande auf dem Siegeszug durch die Europameisterschaft 2008 aufhalten können. Für viele Fußballbegeisterte ist jetzt schon klar: Holland wird der neue Europameister. Die Niederländer gelten als haushoher Favorit durch die drei Spitzenspiele, die sie gezeigt haben. Lassen wir uns mal überraschen, wie lange die weiße Weste der Niederländer noch so strahlend sauber bleiben wird. Noch sind acht Mannschaften schwer daran interessiert, den Titel des Europameisters zu gewinnen. Und wie immer kristallisieren sich langsam die besten Mannschaften heraus. Unter ihnen sind Weltklassemannschaften wie die stark spielenden Spanier, die Italiener und natürlich auch Portugal und Deutschland, die sich alle berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen. Oder wird es am Ende doch eine der Mannschaften sein, mit denen keiner gerechnet hat und die den Titel dann doch nach Hause trägt: etwa Kroatien oder die Türkei?

