Sep 10, 2010 | Matchberichte
Niederlande – Russland: 1:3
Der Topfavorit scheiterte, Russland neuer Favorit auf den EM-Titel - Nach einer etwas enttäuschenden ersten Halbzeit konnte die russische Nationalmannschaft in der Verlängerung den verdienten Sieg erringen. Über weite Strecken war dieses EM-Spiel das Beste des gesamten Turniers. Wieder einmal konnte ein Außenseiter einen Topfavoriten niederringen und nun in die TOP 4 Europas aufsteigen.Genau um 20.45 Uhr wurde das Spiel zwischen den Niederlanden und Russland angepfiffen. Zunächst waren beide Mannschaften etwas zurückhaltend und versuchten die aktuelle Form des Gegners zu erfahren. Noch nahm keiner an, dass dies ein sehr langes und spannendes Spiel werden würde und die Niederländer waren allerbester Hoffnung. Dementsprechend motiviert starteten auch die niederländischen Fans in das Match. Schon früh zeigten aber die Russen, dass sie dieses Spiel auch gewinnen wollten und von Anfang an versuchten die Russen, Druck auf das Spiel der Niederländer auszuüben. Dank Nigel de Jong kam es zu einer ersten spannenden Szene. Er verschuldete einen Fehlpass, den Pawljutschenko geschickt ausnutzen konnte. Die linke Außenbahn war frei und er setzte eine Flanke ab, die dann jedoch Ooijer abfangen konnte. In der 7. Minute gab es dann den ersten Freistoß für Russland, der jedoch von van der Sar in das Toraus befördert wurde. In den folgenden Minuten kam es zu einem Hin und Her zwischen beiden Mannschaften. Man versuchte, die Schwächen des Gegners auszutesten und auf diese Weise die eine oder andere Chance herauszuspielen. In der 21. Minute kamen dann die Niederländer zu ihrer ersten Chance, als Sneijder zu einem Fernschuss ansetzte. Der Torwart der Russen wehrte diesen Schuss jedoch ab und der Nachschuss ging weit über das Tor hinaus. In dieser Phase standen beide Mannschaften sehr gut in der Abwehr und das beliebte Flügelspiel wurde auf beiden Seiten schnell unterbunden. Besondere Aufmerksamkeit galt dem Duell zwischen van Nistelrooy und Kolodin. Diese beiden Weltklassespieler lieferten sich viele spannende Zweikämpfe. In der 29. Minute kam es dann zur ersten wirklichen Torchance dieses Spiels. Nach einem Foul von Kolodin gegen van Nistelrooy kam es zu einer günstigen Freistoßsituation für die Niederländer, die jedoch nicht verwertet wurde. Die Stürmer van der Vaart und van Nistelrooy verfehlten den Ball nur knapp vor dem russischen Tor. Nur drei Minuten später hatten die Russen ihre Chance auf ein erstes Tor, doch van der Sar fing den Schuss von Kolodin rechtzeitig ab. Bis zur Halbzeitpause passierte nichts Aufregendes mehr, weil sich beide Mannschaften schon im Mittelfeld derartig unter Druck setzten, dass es zu keinem richtigen Spielaufbau kam.
Nach den ersten 45. Minuten begannen beide Mannschaften wieder sehr engagiert. Die Niederländer zeigten sofort, dass sie noch im Spiel waren und warteten in der 47. Minute mit dem ersten Torschuss auf. Es ging sofort mit hohem Tempo weiter und die einzelnen Spieler zeigten sich alle sehr engagiert. In der 52. Minute wurde dann die erste Karte verteilt. Die ging an Boulahrouz, der den Russen Arschawin ein wenig zu hart stoppte. In der 54. Minute wurde dann auch Boulahrouz ausgewechselt, der nach dieser persönlich sehr schwierigen Woche trotzdem eine Topleistung abliefete. In der 56. Minute wurde dann auch der Traum der Russen wahr, als Pawljuschenko das erste Tor erzielte. Durch ein sehr schönes Kombinationsspiel zwischen Arschawin und Semak wurde diese Situation eingeleitet. Und Pawljuschenko schoss ohne weiteres den Ball an van der Saar vorbei ins gegnerische Tor. Nun schienen die Niederländer ein wenig desorientiert, da sie in diesem Turnier noch nie in Rückstand geraten waren. Nach wenigen Minuten fing sie sich jedoch wieder und machte in der nächsten Spielphase sehr viel Druck auf das gegnerische Tor. Die russische Abwehr leistete sich jedoch keinen Fehler und bewahrte so ihren Vorsprung erst einmal. Die Russen lauerten auf Kontermöglichkeiten, die sich natürlich auch fanden. In der 70. Minute gab es insgesamt zwei sehr gute Kontermöglichkeiten. Kolodin kam zum Schuss, doch war van der Sar wieder einmal zur Stelle. In der zweiten Situation verschätzte sich van der Sar und Arschawin leitete eine fast sichere Torchance ein, die von Saenko jedoch nicht verwertet wurde. In der 72. Minute sah Kolodin dann die erste gelbe Karte, nachdem er van Nistelrooy grob umgerissen hatte. Nun war die Partie wieder relativ ausgeglichen, bis die Russen in der 83. Minute die nächste Torchance hatten. Schirkow setzt sich gegen die Abwehr der Niederländer durch und flankte. Die Stürmer waren in dieser Situation jedoch nicht entschlossen genug und die endgültige Entscheidung wurde vorerst versäumt. Dies rächte sich dann kurz darauf, als die Niederländer in der 86. Minute den aus ihrer Sicht lang ersehnten Ausgleich schafften. Van der Nistelrooy verwandelte mit einem wunderbaren Kopfball den Freistoß von Sneijder souverän. Die Stimmung in Basel begann nun zu kochen und die Fans feuerten ihre Mannschaften mit aller Kraft an. Beide Mannschaften spielten jetzt sehr defensiv und man versuchte, jede Torchance im Keim zu ersticken. In der 91. Minute kam es zu einer sehr verwirrenden Szene. Kolodin ging sehr rabiat gegen Sneijder vor und sah erst einmal die gelbe Karte. Dies bedeutete natürlich Gelb-Rot. Eine Minute später entschied sich Schiedsrichter Michel jedoch anders und Kolodin durfte weiterspielen. Die reguläre Spielzeit war zu Ende.
In der Verlängerung begannen beide Mannschaften erst einmal wieder etwas zögerlich; erste Müdigkeit wurden sichtbar. In den nächsten Minuten nahmen die Russen das Tor der Niederländer unter Beschuss; sie versuchten, unbedingt die Entscheidung herbeizuführen. Die niederländische Mannschaft wurde zunehmend schwächer und hatte großes Glück, dass die Russen ihre traumhaften Chancen nicht verwerten konnten. In der 112. Minute gab es dann das längst überfällige Tor für die Russen. Torbinski erzielte nach einem Zuckerpass von Arschawin das vorentscheidende 2:1. Nur fünf Minuten später machten die Russen alles klar; Arschawin verwertete selbst eine sehr schöne Chance. Die Abwehr der Niederlande konnte den ständigen Angriffen der Russen nichts entgegenhalten und so kam es zum 3:1 Endstand. In den nächsten Minuten konnte die geschwächte niederländische Mannschaft keinen Gegenangriff mehr starten. Nach dem Abpfiff in der 120. Minute stand es dann offiziell fest. Die Niederländer waren als absoluter Topfavorit aus dem Turnier gekickt worden. Die zuvor unterschätzten Russen sind nun ein Titelanwärter, vor dem man sich in Acht nehmen muss.

