Sep 9, 2010 | Matchberichte
Portugal – Deutschland: 2:3 - Die Deutschen sind weiter am Ball
Dieses von allen Seiten so sehnsüchtig erwartete Viertelfinal-Spiel war in der Tat an Spannung nicht mehr zu überbieten. Sogar im Hinblick auf die Spieleraufstellung war die Aufregung groß: Wird der an einem Rippenbruch leidende Frings mit dabei sein? Wie sieht es mit Gomez aus? Wird er spielen? Um 20:45h war es soweit und weder Frings noch Gomez standen in der Anfangsformation der Deutschen: Rolfes, Schweinsteiger und Hitzelsperger liefen anstelle von Frings, Fritz und Gomez auf das Spielfeld. Jogi Löw nahm derweil in der VIP-Lounge des Stadions Platz. Aufgrund seiner UEFA-Sperre durfte er nicht an den Spielfeldrand und das ausgerechnet an diesem wichtigen Spieltag! Natürlich lastete nun auf seiner Vertretung Hansi Flick ein wahrhaft enormer Druck, denn jetzt hing Vieles nur noch von ihm ab: eventuelle Änderungen der Spieltaktik, Auswechselungen etc. Der Abend hatte also garantiert einiges an Aufregung und Adrenalin in petto…!Generell darf man mit Fug und Recht behaupten, dass Philipp Lahm, Ballack, Poldi und Bastian Schweinsteiger das Spiel der deutschen Mannschaft bestimmten: sie alle zeigten einen hervorragenden Einsatz – jeder ganz seinem Können entsprechend! Ganz besonders erwähnenswert sind auch die fantastischen Leistungen von Torwart Lehmann. Eines war während des gesamten Spiels offensichtlich: Dieser Mann hat es in der Tat drauf! Schon in der dritten Minute ging es heftiger zur Sache: Lukas Podolski erhielt gleich zwei Ermahnungen vom Schiri aufgrund eines Fouls an Simao. In der vierten Minute wurde Arne Friedrich von Christiano Ronaldo angegriffen, Ronaldo war in Ballbesitz und stürmte direkt in Richtung deutsches Tor. Die Zuschauer hielten den Atem an: Ist dies schon das erste Tor für die Portugiesen? Nein – Lehmann hielt den Ball sicher und souverän. In der neunten Minute bot sich für Hitzlsperger eine mehr oder weniger effektive Torchance. Nach einem Freistoß traf er jedoch lediglich die vor ihm platzierte Mauer des portugiesischen Teams. Wenige Minuten später lag Metzelder scheinbar verletzt am Boden: ein unabsichtlicher Hieb von Petit mit dem Ellenbogen setzte ihn für wenige Sekunden außer Gefecht. Aber schon kurz darauf ging es für ihn weiter. Im weiteren Spielverlauf waren einige gute Ballwechsel zu sehen, Metzelder zeigte auf deutscher Seite, Simao auf der portugiesischen sein Können. Die Spielqualität der Portugiesen ließ insgesamt jedoch in den ersten Minuten des Spiels ein wenig zu wünschen übrig. Dennoch: Simao zielte aufs deutsche Tor, Metzelder versuchte, den Schuss abzuwehren, aber letztendlich war es wieder an Lehmann, den Ball erfolgreich auf dem Weg ins Tor aufzuhalten.
Schweinsteiger, Ballack & Co. legten sich stark ins Zeug. In der 19. Minute hielten die Fans der beiden Teams wiederum den Atem an; die einen, weil sie hofften, die anderen, weil sie bangten: Eine Riesentorchance bot sich für die portugiesische Mannschaft. Moutinho vermochte diese Gelegenheit jedoch nicht erfolgreich für sein Team umzusetzen. Es blieb beim 0:0. Als wäre diese Aktion ein Warnsignal für die Deutschen gewesen, setzte „Schweini“ sich erfolgreich nach einem Doppelpass zwischen Podolski und Ballack in Szene und manövrierte das Leder mit einem hervorragenden Schuss ins gegnerische Tooooooooooooor! 0:1 für Deutschland!
Zwei Minuten später wurde das bislang von aufregenden Ereignissen geprägte Spiel jäh unterbrochen: Moutinho musste nach einem heftigen Zusammenstoß mit Michael Ballack medizinisch betreut werden. Aber bereits kurze Zeit später kämpfte er entschlossen und tapfer weiter. Die Deutschen kamen in Torlaune und nochmals ertönte ein unglaublicher Jubel: Nach einem Freistoß durch Bastian Schweinsteiger stand Klose in Tornähe und setzte zum Kopfballschuss an — erneut ein erfolgreicher Treffer für die deutsche Mannschaft! Das Tor zum 2:0! Schon jetzt herrschte Partystimmung pur bei den deutschen Fans im Stadion! Es war in der Tat eine wahre Freude, dem Spiel zuzusehen! Wenig später gab es für Petit Gelb. Nur fünf Minuten danach wurde auf Seiten der Portugiesen ein Spielerwechsel vorgenommen: Meireles wurde für Moutinho auf das Spielfeld geschickt. Ein Zusammenspiel von Simao und Ronaldo schien eine erneute Torchance für die portugiesische Mannschaft zu werden. Ohnehin lagen die Hoffnungen der Portugiesen auf Ronaldo, aber in dieser Spielminute enttäuschte er dennoch erst einmal die hohen Erwartungen. Auch Meireles versuchte nun, einen ersten Treffer für sich und sein Team zu erzielen. Fehlanzeige.
Aber die Deutschen hatten zu früh begonnen, sich zu freuen. In der 31. Spielminute kam der portugiesische Hoffnungsträger Ronaldo wieder in Ballbesitz. Sein Glück, dass er so dicht beim Keeper Lehmann stand. Dennoch: Lehmanns Können bewies sich auch in dieser Situation wieder einmal, denn er ließ auch diesen sicher geglaubten Tortreffer einfach an sich „abprallen“! Aber die Portugiesen gaben alles, um endlich ein Anschlusstor zu erzielen: Sekundenbruchteile später erhielt Gomes das Leder und – er schoss... Metzelder, der sehr stark in Sachen „Verteidigung“ war, schaffte es nicht mehr rechtzeitig, den Ball zu erwischen, so dass sich dieser Schusswechsel als Erfolg für die Portugiesen erwies. Tor für Portugal zum 1:2. Und schon war die ausgelassene Stimmung auf der Seite der deutschen Fans im Keller. Würde das Spiel noch eine Wende bekommen? Ballack und seine Jungs gaben alles und die Portugiesen standen ihnen diesbezüglich in nichts nach. Im Gegenteil: Die Kampfbereitschaft war in ihren Augen überaus deutlich ersichtlich.
In der ersten Halbzeit blieb es beim 1:2. Aber direkt in der ersten Minute der zweiten Hälfte machte sich erneut der Siegeswille bei den Deutschen bemerkbar: Gleich nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit sah Arne Friedrichs gelb, als er Ronaldo foulte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht lag Ronaldo am Boden, es schien jedoch, als sei die gute Luft und der Regen Ursache für die „wundersame Heilung des „Schwerverletzten“. Sekunden nach seinem Sturz rannte Ronaldo wieder fit über die Spielfläche. Schon zwei Minuten später sahen die Deutschen wieder die gelbe Karte. Diesmal war es Lahm, der Simao gefoult hatte. Etwa eine halbe Stunde vor Spielende entsteht der Eindruck, als würde nunmehr der Ausgleichstreffer erzielt: Nach einem Ballwechsel zwischen Deco und Pepe landete der Ball jedoch weit vom Tor der deutschen Mannschaft entfernt.
In der Tat war die Spannung nun schier unerträglich – und zwar für alle Beteiligten. Zwei Minuten, nachdem Pepe aufgrund eines Fouls gelb sah, schoss Ballack… Ballack… ja Ballack schoss UND traf: 3:1 für die Deutschen — eine wahrhaft hervorragende Leistung! Wiederum war Schweinsteiger beteiligt. Ricardo schien zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht mit dem Schlimmsten zu rechnen und agierte recht schwerfällig. Diese Chance hatte Ballack genutzt und die Stimmung der Deutschen im Stadion wurde gut gelaunt, gelöst und siegessicher! Der Wunsch, das Halbfinale dieser EM 2008 zu erreichen, war mit Ballacks Treffer in greifbare Nähe gerückt! Und die deutschen Fans lagen sich schon jetzt glücklich und übermütig in den Armen. Die Portugiesen gaben nun noch mehr Gas, steckten nicht auf. Aber nützte das noch etwas? Der portugiesische Coach hoffte, das Ruder noch durch einige Auswechselungen herumreißen zu können: Postiga kam für Petit, Gomes ging und Nani betrat das Spielfeld. Auch Hansi Flick wechselte nun aus: Borowski gegen Hitzlsperger, Fritz kam für Schweinsteiger und Jansen für Klose ins Spiel. Und dann… trafen die Portugiesen erneut. Anschlusstreffer zum 2:3 in der 87sten Minute durch Postiga, der erst in der 73sten Minute ins Spiel gekommen war. Sollte das vielleicht doch noch eine Sensation drin sein, ein drittes Tor der Portugiesen? Ein portugiesischer Sieg in der Nachspielzeit?
In der 90. Minute sah der frisch eingewechselte Portugiese Postiga Gelb für ein Foul an Mertesacker. Gleichzeitig stellte sich die Frage, wie lange Schiedsrichter Fröjdfeldt nachspielen lassen würde? Antwort: vier Minuten. Eine vierminütige Nachspielzeit war anberaumt. Wirklich weltbewegende Szenen waren da allerdings nicht mehr zu vermelden. Dann folgte der Abpfiff durch Peter Fröjdfeldt und die Deutschen konnten ihren wohlverdienten Sieg feiern. Riesenstimmung und Party bei ihnen im Baseler St. Jakob-Park – wen wundert`s?!

