Sep 10, 2010 | Matchberichte
Rumänien – Frankreich: 0:0
Taktik prägte das Spiel - Schon im Vorfeld der Europameisterschaft kündigte der Trainer der rumänischen Mannschaft, Victor Piturca, siegessicher an: „Wir können die EM gewinnen“. Dabei verwies er auf die EM im Jahre 2004, als der absolute Außenseiter Griechenland überraschend Europameister wurde. Angesichts einer Vorrundengruppe, die es mit den Mannschaften Italien, Niederlande und Frankreich im wahrsten Sinne des Wortes „in sich“ hat, ist diese Aussage wohl äußerst optimistisch. Die offiziellen Wettquoten sprechen eine etwas andere Sprache als die Voraussagungen von Victor Piturca, sodass das erste Auftreten der rumänischen Mannschaft mit Spannung erwartet wurde. Zu den Fähigkeiten und dem Potenzial der französischen Mannschaft bleibt bei Namen wie Makelele, Thuram oder auch Henry nichts mehr hinzuzufügen.Im Stadion von Zürich erhielten die Franzosen den Anstoß. Der Stürmerstar der Franzosen, Henry, blieb entgegen allen Erwartungen auf der Ersatzbank. Rumänien begann die Partie äußerst verhalten. Teilweise waren alle 11 Spieler der Mannschaft in der eigenen Hälfte und kamen nicht richtig ins Spiel. Die Franzosen begannen aber ebenfalls zurückhaltend, jedoch etwas offensiver als die Rumänen. In der 8. Minute kam dann der erlösende erste Schuss von Anelka in Richtung des rumänischen Tores. Er schoss jedoch am linken Pfosten des Kastens von Lobout vorbei.
Der rumänische Superstar Mutu kam bis dahin nur selten zum Zug. Bei jedem Ballkontakt dieser lebenden Fussball-Legende hefteten sich sofort drei Franzosen an dessen Fersen und unterdrückten somit jegliche gefährliche Torsituation. Überhaupt hatte Mutu in den letzten Tagen eine recht schwere Zeit. Seine geliebte Großmutter verstarb vor einigen Tagen und sein knallharter Trainer untersagte ihm die kurzfristige Abreise zu deren Beerdigung.
Nach 15 gespielten Minuten konnten beide Seiten noch keine wirkliche Tormöglichkeit verzeichnen. Beide Teams gingen Null Risiko ein und es schien, als lauerte jede Seite auf einen winzigen Fehler der Anderen. Spannend wurde es in der 17. Minute: Nach einem Pass zum französischen Anelka hatte der Torhüter der Rumänen einige Schwierigkeiten, den Ball unter Kontrolle zu bekommen. Nachdem 20 Minuten gespielt waren, lag der Ballbesitz zu 40 Prozent bei Rumänien und zu 60 Prozent bei Frankreich. Erst in der 23. Minute erarbeitete sich Frankreich nach einer gelungen Flanke von Ribery den ersten Eckball, der allerdings ungefährlich blieb.
Dann endlich in der 33. Minute eine Torchance für die Franzosen (wenn man es so nennen darf): Nach einer erneuten Flanke von Ribery erreichte Anelka den Ball mit dem Kopf. Der blieb allerdings letztendlich ungefährlich, er ging knapp am Tor der Rumänen vorbei. Kurz darauf handelte sich der Rumäne Contra durch unüberlegtes Verschießen des Leders eine gelbe Karte ein. Der Moderator des Spieles fand diese Entscheidung des Unparteiischen absolut überzogen, denn einige der zuvor verübten Fouls blieben unbestraft. Nur 10. Minuten nach der gelben Karte von Contra holte sich Goian durch Foul an Ribery eine dieser unbeliebten Karten ab. Er ließ den Franzosen einfach auflaufen und provozierte damit als logische Konsequenz eine gelbe Karte. Die erste Hälfte des ersten Spieles der Gruppe C blieb sehr von Taktik bestimmt und ohne wirklich spannende Angriffe auf beiden Seiten. Eine Minute Nachspielzeit in der ersten Hälfte konnte keine der beiden Mannschaften für sich nutzen.
Die Franzosen begannen die zweite Hälfte des Spieles äußerst offensiv. Malouda wagte in der 49. Minute endlich einmal einen Schuss in Richtung des gegnerischen Tores. Dieser flog am linken Dreiangel vorbei; es schien, als drängte die französische Mannschaft nun auf einen Führungstreffer. Überraschenderweise begann die rumänische Mannschaft in der ersten Minuten der zweiten Hälfte ebenfalls äußerst offensiv. Womöglich hatte Piturca in der Spielunterbrechung ein paar motivierende Worte gesprochen, denn bereits in der ersten Hälfte drängte er seine Mannschaft per Handzeichen, ihre Spielposition offensiver auszurichten. Der Franzose Sagnol zeigte sich in der 51. Minute besonders unfair. Er attackierte Rumäniens Superstar Mutu kurz vorm französichen Strafraum von hinten und schenkte somit seinen Gegnern eine günstige Freistoßsituation. Der Gefaulte selbst führte den Freistoß aus, traf allerdings nur die französische Mauer.
Besonders in der zweiten Hälfte wurde es mehr als deutlich, dass die Rumänen den französischen Fussballhelden Ribery mehr als hart deckten. Dieser beschwerte sich aber über keines der an ihm begangenen Fouls und blieb selbst äußerst fair. Schließlich gelang es ihm sogar, in der 57. Minute einen hervorragenden Pass auf den im Strafraum stehenden Benzema zu führen. Dieser vertat die einmalige Chance jedoch durch einen schlecht gelungenen Schuss, direkt auf den Torwart der Rumänen, auf Lobout. Im weiteren Spielverlauf kam die Taktik der rumänischen Mannschaft, die bereits in der ersten Spielhälfte auffiel, wieder zum Vorschein: Die gesamte Mannschaft ließ sich weit in die eigene Spielseite zurückdrängen und setzte auf eine defensive Spielweise. Daran bissen sich die Franzosen die Zähne aus und rannten ohne Erfolg immer wieder auf die starke Abwehr der Rumänen zu. Hin und wieder gelang es Rumänien, einen Konter zu führen, der aber stets wenig Wirkung zeigte. Nach etwas mehr als 70. Minuten begannen beide Mannschaften, einige Spieler zu wechseln. Besonders überraschend war, dass der viel beschworene Mutu ausgewechselt wurde. Für ihn kam Niculae, der dem Spiel aber auch keine entscheidende Wendung geben konnte. In den folgenden Minuten, wurde die Absicht der Rumänen, nämlich das Spiel mit einem 0:0 zu beenden, mehr als deutlich. Sie blieben fast nur noch defensiv und vereitelten einen französischen Angriff nach dem anderen. Die rumänischen Fans begannen euphorisch zu werden und belebten die Stimmung im Stadium mit ihren Gesängen und Anfeuerungsrufen.
Nachdem die offizielle Spielzeit fast abgelaufen war, wurden noch drei Minuten Nachspielzeit angezeigt, welche die Rumänen durch ihre taktische Spielweise unbeschadet überstanden. Die letzte Einwechselung erfolgte in der 93. Minute. Radoi, der eine hohe Laufleistung und ein hervorragendes Spiel abgeliefert hatte, ging für Dica. Er erhielt jedoch keine Chance mehr, sein Können unter Beweis zu stellen. Alles in allem war es ein von Taktik geprägtes Spiel. Die Rumänen machten ihre Sache sehr gut und vereitelten den Franzosen damit einen Sieg, den sie letztlich auch nicht verdient hätten. Der Franzose Ribery machte sicherlich von allen das beste Spiel. Es mangelte jedoch an der Unterstützung seiner französischen Teamkollegen. Somit erhielten die Rumänen einen mehr als verdienten EM-Punkt und es bleibt spannend, ob sie die Vorrunde in dieser Hammer-Gruppe überstehen.

