Russland – Griechenland: 1:0 - Russland bezwingt das Team von Rehakles

Im Vorfeld des Spieles gab es harte Kritik an der Taktik des Trainers der griechischen Hellenen, an Otto Rehhagel. Dieser hatte nämlich mit seiner „Steinzeittaktik“, des defensiven Konterspieles, gegen das schwedische Team keine Sonne gesehen und eine bittere Auftaktniederlage eingesteckt. Die Aufstellung der Griechen beim heutigen Spiel machte Hoffnung auf Besserung. Dieses Mal begann König „Rehakles“ das Spiel mit drei offensiven Spitzen. Das russische Team ist die jüngste Mannschaft des Turniers und verfügt über so gut wie keine internationale Erfahrung. Nur ein Spieler der Mannschaft ist im Ausland beschäftigt, der Rest verdient sich in Russland seine Brötchen. Obwohl Pawljutschenko deutlich angeschlagen war, stand er dennoch in der russischen Startelf. Spannende Frage war, wie lange er die Belastung durchstehen würde. Interessante Szenen gab es bereits kurz vor dem Spiel: Die Russen ertüchtigten sich beim Aufwärmen körperlich kaum, stattdessen droschen sie ganze 15 Minuten lang den Ball auf das Tor ihres Keepers und ließen damit natürlich auf ihre beabsichtigte Spieltaktik schließen.

In Salzburg, der Geburtsstadt des Komponisten Mozart, erfolgte pünktlich um 20:45 Uhr der Anstoß durch das griechische Team. Der Spielmacher der Hellenen, Karagonis, fehlte wegen einer Verletzung. Es hieß, er hätte Probleme mit dem Knie. Die Griechen starteten überraschend offensiv und es schien, als wollten sie dieses Mal alles besser machen. Doch es war die russische Mannschaft, die sich nach zwei Minuten die erste Ecke herausarbeitete. Die blieb aber ohne Folgen für das Team der Hellenen. Für ein kurioses Bild und etwas Verwunderung sorgte nach fünf Minuten der Grieche Delfas. Er verlor einen seiner Schienbeinschoner, was einige Sekunden lang für eine leichte Verwirrung sorgte. Delfas fand seinen Schoner jedoch schnell wieder, was die Verwirrung wieder entwirrte. Schnell fiel auf, dass wieder einmal nicht die Griechen für Druck sorgen würden, sondern ihre Gegner. In diesem Fall waren es die Russen, die deutlich offensiver spielten und die Hellenen damit ordentlich in Verlegenheit brachten. Besonders der russische Spieler Schirkow fiel durch seinen großen Kampfgeist auf der linken Seite auf.

 

Nach sieben Minuten gelang es den Griechen erstmals, eine ernste Torchance herauszuspielen. Torosidis war es, der den ersten guten Schuss auf den Kasten von Akinfejew abfeuerte. Damit setzte er gleichzeitig ein kleines Zeichen für einen eventuell doch vorhandenen Torhunger und für Siegeslust der Griechen. Dann jedoch kamen erst einmal die Russen, nach ganzen 11 Minuten, zur ersten Torchance. Bei ihnen war es Biljaletdinow, der sich ein Herz fasste und einen guten Schuss auf den Kasten von Nikopolidis setzte. Als eine Viertelstunde gespielt war, kristallisierte sich langsam heraus, dass es wahrscheinlich kein schönes Spiel werden sollte. Beide Mannschaften setzten bis dahin auf weite, lange Pässe, die am Ende aber keinen Abnehmer fanden. Die Griechen konnten sich hin und wieder ganz gut gelungene Flanken herausarbeiten; die endeten aber zumeist in den Händen des russischen Torwartes. Auf der anderen Spielfeldseite war es Pawljutschenko, der Nikopolidis schwer in Bedrängnis brachte. Statt den Ball mit Gewalt auf das Tor zu schießen, versuchte er es mit einem gut gelungenen Heber, den Nikopolidis nur noch mit den Fingerspitzen erreichte. Bei der darauf folgenden Ecke der Russen kam Schirkow zum Schuss, verfehlte aber den griechischen Kasten. In der 20. Minute folgte die dickste Chance der Griechen im bisher gespielten Match: Ein Freistoß der Griechen gipfelte fast in einem Eigentor der Russen. Es blieb aber weiterhin bei einem 0:0.

 

In den folgenden Minuten hatte das griechische Team wieder eine äußerst starke Phase. In solchen Momenten war eine ganz andere griechische Mannschaft als noch im Spiel gegen die Schweden auf dem Platz. Solche Minuten blieben allerdings die Seltenheit und würden in der folgen Spielzeit nur immer einmal wieder aufflammen. Als dreißig Minuten gespielt waren, wurde das Spiel schon wieder langsam und streckenweise langweilig. Schließlich kamen die Russen in der 33. Minute wie aus dem Nichts in die Nähe des Kastens von Nikopolidis. Nach einer gut gelungenen Flanke, wurde diese mit dem Kopf verlängert. Nikopolidis — von dieser Situation verwirrt — rannte dem Ball hinterher, obwohl die gefährliche Phase des Angriffs bereits geklärt war. Daraufhin kam Semak an den Ball, gab ihn zurück in den Strafraum und setzte das Leder damit genau vor die Füße von Syrjanow. Der behielt in dieser Situation den Kopf und schob den Ball in den freien Kasten der Griechen. Und das… war das 1:0 für Russland. Im Anschluss stürmten die verzweifelten Hellenen auf das russische Tor, bekamen einen Freistoß, verloren aber durch einen schwachen Schuss den Ball und gaben damit den konterstarken Russen eine erneute Torchance. Die griechische Abwehr konnte den russischen Angriff nur mit der größten Mühe stoppen und zur Ecke klären. In der Folgezeit waren Griechen endgültig durcheinander: Die einzige Mannschaft, die in den letzten Minuten der ersten Halbzeit auf das gegnerische Tor stürmte, waren die jungen Russen. Trainer Otto Rehhagel, nun anscheinend aufgerüttelt, wechselte in der 40. Minute den offensichtlich angeschlagenen Seitaridis gegen Karagounis aus. Seitaridis setzte sich sofort auf die Bank und hielt sich einen Eisbeutel auf seine Leiste. In welcher Situation er sich diese Verletzung zuzog, konnte bis zu diesem Zeitpunkt nicht geklärt werden. Bereits zwei Minuten nach seiner Einwechslung trat Karagounis zum Freistoß an, der allerdings ungefährlich blieb. Dann… holte sich der neu eingewechselte Spieler der Hellenen gleich eine verdiente gelbe Karte wegen Foulspiel und blieb bis zur Pause ohne Highlight. Ohne eine weitere gefährliche Situation auf beiden Seiten pfiff der italienische Schiedsrichter nach einer Minute Nachspielzeit die erste Halbzeit ab. Die russischen Fans bejubelten ihre jungen Helden. Der Block der griechischen Anhänger, die zu Tausenden mit dem Flugzeug zum heutigen Spiel angereist waren, verhielt sich ein wenig zurückhaltender, was ihre Siegesgesänge anbelangte. Verständlich!

 

In der Geschichte der griechischen Europameisterschaftsteilnahmen gab es bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Spiel, dass die Griechen nach einem Rückstand noch gewonnen haben. Schlechte Aussichten für die wilden Hellenen von Otto „Rehakles“? In der zweiten Hälfte begannen die Hellenen, wahrscheinlich aufgeputscht von ihrem deutschen Trainer, sehr offensiv. Aber es war Pawljutschenko, also ein Russe, der für sein Team den ersten Schuss dieser Halbzeit auf das gegnerische Tor platzierte. Der blieb zwar ohne Folgen, hatte aber einen gewissen Symbolcharakter für die folgenden 45 Minuten. Das russische Team behielt über weite Strecken die Oberhand. In der 53. Minute gelang es allerdings Karagounis dann doch einmal, einen anständigen Kracher auf das Tor von Akinfejew zu setzen. Daraus resultierte ein Eckstoß für das hellenische Team, der aber nicht effizient genutzt werden konnte. Nur zwei Minuten danach, kam der Russe Biljaletdinow an den Ball und erhielt damit eine hervorragende Torchance. Es mangelte ihm aber in dieser Situation an der notwendigen Routine, sodass er diese gute Möglichkeit ungenutzt ließ. Man konnte den Griechen in diesen Minuten keinen mangelnden Drang in Richtung des gegnerischen Tores vorwerfen, aber sie blieben trotzdem glücklos.

 

Allerdings flammte noch einmal Hoffnung in den Reihen der griechischen Fans auf, als Gekas sich in der 60. Minute aufwärmte und dann tatsächlich gegen Liberopoulos eingewechselt wurde. Ein weiterer „Wackler“ des griechischen Torhüters Nikopolidis hätte in der 63. Minute um ein Haar zum endgültigen Desaster der Griechen geführt, aber Biljaletdinow vergab auch diese Chance, sein Team weiter in Führung zu schießen. Dann in der 68. Minute kam der Held der EM 2004, Charisteas, nach einem gut ausgeführten Eckstoß, mit dem Kopf an den Ball. Doch auch diese Chance zum Ausgleich endete in den Händen des russischen Keepers Akinfejew. Kurz darauf wechselte der niederländische Coach der Russen, Guus Hiddink, den mittlerweile humpelnden Biljaletdinow, der viele gute Tormöglichkeiten hatte, gegen Saenko aus. In der 76. Minute gelang es der russischen Mannschaft, sich nach einem Foul von Basinas einen günstigen Freistoß zu erarbeiten. Nur 24 Meter betrug die direkte Entfernung zum Kasten von Nikopolidis, doch der schlecht ausgeführte Schuss endete in der hellenischen Mauer. Das bis dahin äußerst fair spielende russische Team erhielt dann in der 76. Minute durch ein Foul des gerade eingewechselten Saenko seine erste gelbe Karte des gesamten Turniers. Wenige Minuten danach, erfolgte der nächste Wechsel auf der griechischen Seite. Der glücklose und teilweise auch oft allein gelassene Amanatidis wurde gegen Stelios eingewechselt. Amanatidis konnte für sein „schlechtes“ Spiel kein Vorwurf gemacht werden, denn, ähnlich wie bei Gekos im Spiel gegen Schweden erreichte ihn keiner der langen, weiten Bälle seines Mittelfeldes. Kurz vor Spielende zeigte die Statistik ein Spiel mit einem Ballbesitz von 50/50, wobei auf Seiten des russischen Teams die etwas höhere Initiative lag. Kurz vorm Abpfiff gelang den Russen noch einmal ein sauberes Konterspiel und Pawljutschenko stand völlig frei vor dem Griechen Nikopolidis. Wiederum behielt der Russe nicht die Nerven und vergab eine hundertprozentige Tormöglichkeit, die gleichzeitig die letzte des Spiels war. Rehhagel setzte letztlich dann doch zur Verwunderung aller einmal mehr auf eine defensive Taktik mit weiten Bällen zur griechischen Spitze. Die erreichten jedoch nur selten ihr Ziel, sodass die Griechen auch nach 93 gespielten Minuten keinen Treffer erzielt hatten. Sie haben nun bereits das zweite Spiel in diesem Turnier abgeschlossen, ohne ein Tor erzielt zu haben. Angesichts der gezeigten Leistung bleibt es somit sehr zweifelhaft, ob es gegen die sehr erfolgreiche spanische Elf am Mittwoch besser laufen wird. Wahrscheinlich wird der fast 70 Jahre alte Otto Rehhagel — allen Forderungen der Fans und der Medien zum Trotz — seine Hellenen einmal mehr mit seiner alten, überholten Taktik auflaufen lassen. Und das könnte dann endgültig dafür sorgen, dass König Rehakles die Krone aberkannt wird. Das russische Team konnte sich trotz seiner verletzungsbedingten Ausfälle, im Vergleich zum Spiel gegen die Spanier, deutlich steigern. Vielleicht gelingt dieser sehr jungen Mannschaft ein kleines Wunder in ihrem letzten Spiel der Vorrunde? In diesem Spiel der Russen heißt der Gegner Schweden.

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