Sep 9, 2010 | Matchberichte
Schweden – Griechenland: 2:0 - Tiefer Fall für den Europameister von 2004
Mit Spannung wurde das heutige Spiel –Griechenland gegen Schweden- erwartet. Natürlich brodelte die Gerüchteküche im Vorfeld der Partie. Während einer Pressekonferenz gab sich der Trainer der Griechen, Otto Rehhagel, zwar zuversichtlich, protzte aber nicht mit überschwänglicher Siegessicherheit. Jeder weiß, dass die Jungs von „Rehakles“ eine schwere Bürde zu tragen haben. Auch wenn sie nicht einmal die Qualifikation für die WM 2006 geschafft haben, ist die griechische Mannschaft immer noch amtierender Europameister von 2004. Trotz des damaligen Niederschlags qualifizierte sich das Team der Hellenen mit ganzen 31 Punkten, übrigens die höchste Ausbeute aller Mannschaften, für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz.Bei den Schweden weckte vor allem der 26 Jahre alte Superstar von Inter Mailand, Zlatan Ibrahimovic, die Hoffnungen der Fans, obwohl er seit ganzen 2,5 Jahren schon kein Tor mehr für seine Nationalmannschaft erzielt hat. Dieser schwedische Superheld verdient übrigens in der nächsten Saison des italienischen Traditionsvereins Mailand stolze zwölf Millionen Euro pro Jahr. Ansonsten wurde bis jetzt noch kein großes Aufsehen um die Elf von Trainer Lars Lagerbäck gemacht, der das Team seit dem Jahre 2000 leitet. Im ausverkauften Heimstadion von „Red Bull Salzburg“ erfolgte vor 31.063 Zuschauern, pünktlich um 20:45 Uhr der Anstoß durch die Mannschaft von Otto „Rehakles“.
Schon in der ersten Spielminute setzt der Torschütze vom Finalspiel 2004, Angelos Charisteas, mit beiden Beinen nach und erhält dafür vom Schweizer Unparteiischen Busacca verdient die gelbe Karte. Es schien als wollten die Schweden offensiv starten. So erkämpften sie sich schon in der zweiten Minute den ersten Eckball. Diese Standardsituation gipfelte jedoch nur in einer weiteren Ecke, die die Schweden nicht effizient genug nutzen konnten.
Die folgenden Spielminuten verliefen verhalten und ein gegenseitiges „Abtasten“ war für die meisten Fans mehr als offensichtlich. Charisteas überraschte dann plötzlich die schwedische Abwehr, lief ein schönes Solo, verpasste aber einen würdigen Abschluss. Sein Schuss erreichte zwar den schwedischen Torwart Isaksson, dieser hatte aber so gar keine Schwierigkeiten mit diesem direkt auf ihn ausgeführten „Schüsschen“. Beide Mannschaften bemühten sich anfangs, ein offensives Spiel zu führen, wobei die Schweden einen Tick aktiver zu Werke gingen. Die gesamte erste Hälfte war geprägt von langen, weiten Bällen, die am Ende aber keinen Abnehmer fanden. Besonders die Griechen setzten auf diese fragwürdige Spielführung und erreichten damit, dass ihr eigentlich so starker Mann, Gekas, am Ende wirklich „alt“ aussah und wahrscheinlich die wenigsten Ballkontakte in den ersten 45 Minuten hatte.
Otto Rehhagels „Angst“ vor dem Weltstar Ibrahimovic wurde ganz besonders daran deutlich, dass Kyrgiakos jede Sekunde des Spieles knallhart an ihm klebte und ihn damit ständig unter Druck setzte. Nach 25 Minuten der ersten Hälfte begann das Publikum, merklich nervös zu werden und „bedankte“ sich bei den aktiven Spielern mit regelmäßigen „Pfeifkonzerten“. Die Partie schleppte sich so vor sich hin. Selbst die dritte Ecke der Schweden konnte Anderson nicht günstig in den Strafraum kicken.
In der 38 Minute ging bei den schwedischen Fans ein Raunen durchs Stadion. Ihr großer Held, Ibrahimovic, erreichte im Strafraum endlich einmal den Ball mit dem Kopf und verpasste damit nur knapp das erste Tor für die Schweden. Der Ball flog nur wenige Zentimeter über die Latte des griechischen Tores. Irgendwann erkämpften sich die Griechen sogar auch einmal ihren ersten Eckstoß, aber auch dieser konnte dem Kasten von Isaksson keineswegs gefährlich werden. Dabei waren die Hellenen doch einst besonders in solchen Standardsituationen besonders gefährlich.
Zum Ende der ersten Hälfte wurde das Spiel nach und nach immer träger. Es schien, als wollten die Griechen die Spielzeit, durch sinnloses Hin- und Herkicken des Leders so einfach wie möglich hinter sich bringen. Frei nach dem Motto: „Bloß kein Risiko eingehen“. Das schwedische Team setzte eindeutig mehr auf die Offensive, konnte sich aber aufgrund der äußerst defensiven Spielweise der Griechen keine Torchance erarbeiten. Kurz vor der Pause war die Depression der Fans auf dem Zenit. Pausenlose Pfeifkonzerte hämmerten auf die mehr als lahmen Akteure auf dem schicken neuen Rasen des Salzburger Stadions, ein. Diese ersten langweiligen 45 Minuten wurden sogar noch mit einer Minute Nachspielzeit verlängert. Natürlich bot die dasselbe träge Bild wie ihre „Vorgängerminuten“. Blieb nur zu hoffen, dass beide Trainer der jeweiligen Mannschaften ihren Schützlingen eine anständige Ansprache halten würden.
Das schwedische Team stieß die zweite Hälfte der Partie an und legte endliche eine aggressivere, mehr zum gegnerischen Tor drängende Spielweise an den Tag. Die Griechen wechselten den erfolglosen Gekas gegen Samaros aus. Aber brachte dieser Schachzug des „Königs Rehhakles“ mehr Fahrt in das Spiel der Griechen? Nein, es machte zwar den vermeintlichen Eindruck, dass sie sich nun mehr bemühen würden, aber es dominierte weiterhin ihre zurückhaltende, scheinbar „sichere“, aber vor allem ermüdende Taktik.
Nur wenige Minuten nach dem Anpfiff der zweiten Hälfte schien es, als schickten die alten griechischen Götter vor lauter Zorn Blitze in Richtung des Salzburger Stadions. Denn am Horizont zog ein nur allzu weltliches Gewitter auf. Es half alles nichts: Die einzige Mannschaft die stürmte, waren die Schweden. Ein Angriff folgte dem nächsten und aus neutraler Sicht begann man, dieser eindeutig aktiveren schwedischen Mannschaft ein Tor zu gönnen.
Einen kurzen Augenblick blitzte dann die alte Angriffslust der Griechen auf. Doch der Egoismus von Karagounis, der den Ball keinem seiner freien Mitspieler gönnte, vereitelte gleich zwei gute Tormöglichkeiten.
Die Erlösung für die schwedischen Fans brachte dann kein Geringerer als Zlatan Ibrahimovic in der 67. Minute. Nach einem gut gelungenen Doppelpass mit Larsson konnte auch Kyrgiakos das Unvermeidliche nicht mehr aufhalten. Ibrahimovic kam ungehindert zum Zug und verwandelte diese Chance prompt zum 1:0 für das schwedische Team, dabei hätte Hansson nur eine Minute davor fast ein Eigentor erzielt. Mit viel Glück kam es nicht dazu, weshalb nun schließlich die Schweden verdient führten. In der 71. Minute wechselte der schwedische Trainer Lagerbäck seinen angeschlagenen Superstar Ibrahimovic aus und schickte Elmander in Spiel. Die Schweden spielten nun viel gelöster und griffen unvermindert das gegnerische Tor an. Schließlich schoss Ljungberg auf den Kasten von Nikopolidis. Der Schuss wurde zunächst abgefälscht und flog hoch in die Luft. Nach einigem „Gestocher“ setzte sich aber Hansson gegen zwei griechische Abwehrspieler samt Torwart durch und machte somit ein mehr als kurioses Tor, das 2:0.
Ohne gegnerischen Einfluss, kam dann der Schwede Wilhelmsson an der Seitenlinie außerhalb des Spielfeldes zu Fall. Er griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den hinteren Oberschenkel; es bleibt zu vermuten, dass es sich wohl um eine folgenreiche Muskelzerrung oder sogar Schlimmeres handelt. Die letzten Minuten der Partie blieben mehr oder weniger unspektakulär. Ein wiederum egoistischer griechischer Versuch, diesmal von Torosidis, den Ball in das schwedische Tor zu tragen, blieb ohne Erfolg. Nach 3 Minuten Nachspielzeit errettete der Unparteiische die Griechen von ihrem Leiden und pfiff die Partie ab.
Als Resümee bleibt zu sagen: Die Schweden haben das Spiel verdient gewonnen aber keine überragenden Leistungen gezeigt. Am auffälligsten war sicherlich ihr Kapitän Ljungberg, der ein gutes Match spielte. Was die Griechen anbelangt, so enttäuschten die auf der ganze Linie. Schade, denn wie bereits erwähnt, absolvierten sie eine äußerst beeindruckende EM-Qualifikation, die Hoffnung auf eine Fortsetzung des Wunders von 2004 erweckte. Aber Wunder bleiben bisweilen aus!
Kommentare
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Von knolle
Am Nov 6, 2008Großes Lob mal an den Verfasser des Textes. der ist wirklich gut, ich habe das Spiel nur in der Zusammenfassung gesehen (weil ich leider schicht schieben musste) aber bei dem Bericht kann ich mich total im Spiel wiederfinden. Das muss hier mal gesagt werden so ein kleines Lob. Hoffentlich gibts noch mehr tolle Berichte, das ist der Beste bisher, natürlich neben dem Deutschlandbericht und dem allerersten Eröffnungsspiel. Ich werde leider die nächsten beiden Wochen immer noch spät schieben müssen und deshalb keines der Spiele wirklich life sehen, aber ich hoffe, auf weiterhin so gute Berichte! Dankeschön - Knolle

