Spanien: Russland: 3:0 - Spanien ist der Finalgegner der Deutschen bei der EM 2008

Ein sagenhaftes Spiel lieferten die Spanier da in ihrem Halbfinalkampf gegen die Russen. Dabei war es zu Anfang gar nicht so klar, wie die Partie nach 90 Minuten ausgehen würde. Vor den 50.000 Zuschauern im Wiener Ernst Happel Stadion goss es um 20:45 wie aus Kübeln, als die beiden Mannschaften den heiligen Rasen betraten. Die Russen mit ihrem holländischen Trainer Hiddink spielten ganz in Rot. Die Spanier mit Aragones als Coach liefen in gelben Trikots und schwarzen Shorts auf. Beide Mannschaften spielten bei dieser Europameisterschaft schon einmal gegeneinander. Im Vorrundenspiel gewannen die Spanier mit vier Toren. Wie man schon beim ersten Halbfinalspiel „Deutschland gegen die Türkei“ sehen und hören konnte, hielten die jeweiligen Kapitäne der beiden Mannschaften nach den Nationalhymnen wieder in ihrer Landessprache ein kurzes Plädoyer zum Thema Rassismus. Dies ist eine Maßnahme, die der Präsident der UEFA Platini ins Leben gerufen hat, mit der er darauf ansprechen will, dass Rassismus keine Chance haben darf. Große Worte von den jeweiligen Chefs der beiden Mannschaften, die sicher auch den Fans zu Herzen gehen. Nach den Nationalhymnen – bei denen die spanische Hymne ohne Text ist – kam also die kurze Ansprache. Dann natürlich auch wie immer das Shakehands der Kontrahenten und los ging es. Der zweite Kampf und die Teilnahme am Finale hatte begonnen und beide Mannschaften waren vor dem Spiel heiß auf den Sieg, auf das Finale und auf Deutschland als Gegner.

Wenn die Russen nur annähernd so gut gespielt hätten, wie sie es im Spiel gegen die Holländer getan haben, hätten es die Spanier schwer gehabt. Aber auch die junge Mannschaft von Aragones lieferte gegen Italien einen heißen Viertelfinalkampf und brach einen langen Fluch der nicht erreichten EM-Halb- und EM-Finalspiele. Die Chancen standen anfangs für beide Mannschaften gut. Doch schon nach wenigen Minuten der ersten Halbzeit merkte man, dass die Russen nicht an ihre Erfolge in den letzten Spielen anknüpfen konnten. Lag es daran, dass sie gegen Spanien schon einmal verloren hatten? Oder war bei dem sehr jungen Team von Hiddink die Luft raus? Woran mag es liegen, dass Russland den Ball nicht recht unter Kontrolle bekam? Spanien merkte diese Irritation der Russen schnell, und roch den Braten. Sie bekamen immer mehr und mehr Kontrolle über den Ball und ließen das Spiel laufen. Die Spanier spielten sehr gut organisiert aus ihrem starken Mittelfeld heraus und die Russen waren wieder mit ihrem schnellen Spielaufbau zu Werke. Doch der Erfolg blieb aus bei beiden Mannschaften. Die erste Halbzeit war eigentlich im Großen und Ganzen eine sehr verhaltene Spielzeit, in der es wenige Chancen bei beiden Teams gab. Die Russen kamen zwar kaum über die Mittellinie hinaus, jedoch konnten die Spanier ihre Chancen noch nicht verwerten. Zwei gute Chancen, die sich für die spanische Mannschaft ergaben blieben erfolglos und scheiterten bisweilen an dem sagenhaften Hintermann der Russen. Gut 20 Minuten brauchten die Russen, bis sie sich aus der engen Spielweise der Spanier etwas frei spielen konnten und begannen, immer mehr und mehr das Spiel aufzubauen. In Wien, wo schon zu Beginn des Spiels Unwetterstimmung am Himmel war, wurde der Regen noch stärker. Beide Mannschaften fürchteten, dass es schon wieder eine Wasserschlacht in Wien werden würde.

In der 34. Minute kam dann der erste Schockmoment für die Spanier. Ihr bester Stürmer — David Villa — lag verletzt am Boden und musste ausgewechselt werden. Für ihn kommt Francesco Fabregas. Dieser Verlust war natürlich für Spanien bitter. Villa schien sich etwas gezerrt zu haben, und der Trainier zitterte nun, ob Villa im Finale würde spielen können, wenn es denn so weit kommen sollte. Eigentlich lagen die Karten gar nicht mal so schlecht für die Spanier. Sie hatten durchwegs seit der ersten Minute das Szepter in der Hand und versuchen, an ihren Erfolg über Russland aus der Vorrunde anzuknüpfen. Es gelang ihnen auch teilweise ganz gut wie es sich in der 38. Minute herausstellte. Da bekam Torres eine gute Chance, die er aber nicht verwerten konnte. Mit einem 0:0 verabschiedeten sich beide Mannschaften nach einer Minute Nachspielzeit in die Kabinen und kamen unverändert nach fünfzehn Minuten wieder auf den Platz.

In der zweiten Hälfte schienen die Russen wie ausgewechselt. Was war mit der Mannschaft von Hiddink passiert? Sie verloren jetzt sehr viele Bälle, die Pässe landeten meistens beim Gegner und es gelang fast gar nicht mehr, durch das spanische Mittelfeld durchzukommen. In der 51. Minute kam dann für die einen die Erlösung und für die anderen der absolute Genickbruch. Das Tor für Spanien durch Xavi. Nun schien bei den Spaniern der Knoten geplatzt zu sein. Sie spielten wirklichen Bilderbuchfußball und die Russen gaben die Partie mehr und mehr auf. Hiddink kann aber trotzdem stolz auf seine jungen Wilden sein, denn eigentlich hatte er sich für 2012 bei der EM einen glatten Durchmarsch seiner Jungs gewünscht. Dass er schon 2008 mit diesen jungen Kerlen so weit kommen würde, daran hätte er nie gedacht. Doch mit dem 1:0 ging es für die Spanier unter der Beobachtung des Kronprinzenpaares wie geschmiert. Jeder Konter den sie erreichten, wurde schnell nach vorne gespielt, und sie ließen die Abwehr der Russen oft ganz schön alt aussehen. Die Russen hatten Mühe, ins Spiel zurückzufinden. In der 71 Minute war Spanien seinem zweiten Tor näher als die Russen dem Ausgleich. Und genau so kam es auch. In der 73. Minute gelang den Spaniern der 2:0 Treffer und die Russen wurden noch bedrückter. Von dem Kampfgeist, der im Spiel gegen die Holländer da war, war gar nichts mehr zu sehen. Die Spanier waren auf Siegeszug und die Russen schienen vorzeitig aufgegeben zu haben. Und, es kam wie es kommen musste: In der 82. Minute folgte das 3:0 durch Silva. Eigentlich hätte man meinen können, das Tor war eine Kopie des zweiten Tores. Genau der gleiche Konter, genau der gleiche Spielaufbau und genau das gleich Tor. Die Russen hätten doch aber damit rechnen müssen. Sie wussten doch bereits, wie die Spanier spielen und dass sie ein sehr starkes Mittelfeld haben. Warum haben sie nichts gemacht? Woran hat es gelegen? Sie hätten doch gekonnt, wenn sie nur gewollt hätten. Chancen gaben sich auch für die Russen genügend, bei denen sie hätten ein Spiel aufbauen können. Vielleicht war es aber auch der Regen und das Unwetter das die Russen vom Siegeszug aufgehalten hat?

Die Spanier waren auf jedem Fall nicht mehr zu stoppen. Und genau so blieb es auch, als der Schiedsrichter nach zwei Minuten Nachspielzeit die Partie abgepfiffen hat. 3:0 für Spanien. Aragones Jungs haben zum ersten Mal, seit 24 Jahren wieder ein Europameisterschaftsendspiel erreicht. Zum Titel hat es für die Spanier jedoch noch nie gereicht. Sie sind zwar beinahe unschlagbar in der Jugend, da sind sie sogar amtierender Europameister und dies schon in Folge. Auch der Fizeweltmeistertitel ist in Händen der spanischen Jugend. Und nun… haben die Jungs zum ersten Mal seit 24 Jahren wieder die Chance, den Deal perfekt zu machen, wenn sie nicht… wenn sie nicht gegen Deutschland — wie damals gegen Frankreich — noch kurz vor dem endgültigen Sieg knapp scheitern. Wie im Gespräch der Profis im Nachhinein bekannt wurde, scheint sich Jürgen Löw auf den kommenden Sonntag zu freuen. Auch Günter Netzer hat verlauten lassen, dass die Spanier zu schlagen sind, wenn Deutschland ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Herz – nämlich ihr Mittelfeld – herausreist. Mal sehen, wem der Titel des Europameisters 2008 gehört. Den Deutschen, die nach 12 erfolglosen EM-Jahren nun endlich ihren Rekordmeistertitel weiter ausbauen wollen, oder den Spaniern, die den Titel das erste Mal gewinnen könnten. Den Russen wäre auf jedem Fall ein besserer Ausstieg aus der EM gegönnt gewesen, denn die Jungs haben wirklich hart gekämpft: als wohl stärkster Außenseiter, der es nur mit Glück in die Vorrunden geschafft hatte.

Kommentare

    Eigenen Kommentar hinzufügen

    • (bitte eine beliebige Zahl eingeben)
    
Kontakt


Webdesign | Fussballtrikots | Online Marketing Blog | Flugpreisvergleich Flughexe | Billigflüge Schweiz | Billigflüge | Fussball News