Türkei – Tschechische Republik: 3:2 - In der 74. Minute stand’ s noch 2:0… für die Tschechische Republik

Im Vorfeld des Spieles der Türkei gegen die Mannschaft aus Tschechien wurden Stimmen laut, die über ein kleines Finale sprachen. Denn der Gewinner dieser Partie würde den zweiten Platz in der Gruppe und den damit verbunden Einzug ins Viertelfinale der Europameisterschaft feiern können. Kurz vor dem Spiel wurde auch das bis dahin gehaltene Geheimnis um die Aufstellung der beiden Mannschaften aufgelöst. Größe Überraschung war, dass Karel Brückner, der Trainer der tschechischen Elf, den bis dahin viel umstrittenen Jan Koller von Anfang an spielen ließ.

Die Partie begann leicht verzögert. Der Türke Servet Cetin hatte nach Meinung des schwedischen Schiedsrichter, Peter Fröjdfeldt, „falsche“ Fußballschuhe an. Diese musste er gleich mehrfach wechseln, sodass die Partie ganze viereinhalb Minuten zu spät angepfiffen wurde. Im gut besuchten Stadion von Genf bejubelten Tausende Fans den Anstoß der tschechischen Mannschaft. Nach einigem gegenseitigen Abtasten bekamen die Tschechen in der zweiten Minute ihren ersten Freistoß. Jankulovski schoss den Ball weit in den Strafraum der Türken, aber Sionko erreichte mit seinem Kopfball nichts außer einem Abstoß für den türkischen Keeper Volkan. Schon in der sechsten Minute gab es die erste wirklich unfaire Szene im Spiel: Der Türke Mehmet Topal erhielt nach dem Foul an Polak verdient die gelbe Karte vom schwedischen Unparteiischen. Nur vier Minuten danach ging der „Gelbe-Karten-Regen“ für das türkische Team weiter. Nachdem Aurelio ein Foul am tschechischen Hünen Koller begangen hatte, beschwerte er sich beim „Schiri“. Der Schwede legte dies sofort als Meckern aus, das ja seit Neuestem nicht mehr erlaubt ist, und zückte prompt die zweite Karte des Spiels. Es würde nicht die letzte sein! Der daraufhin ausgeführte Freistoß für die Tschechen endete mit einem Kopfball von Koller, der allerdings am Tor von Volkan vorbeiging. Die Türken hatten ordentlich Mühe, ins Spiel zu kommen und waren sehr darauf bedacht, keinen Fehler zu machen. Sie brauchten ganze zwölf Minuten, um zum ersten Mal auch nur in die Nähe des von Cech bewachten Kastens zu kommen. Der erste Vorstoß der Türken blieb aber ohne Gefahr für den tschechischen Keeper mit dem schwarzen Kopfschutz. Nach einem wiederholten Foul des türkischen Spielers mit der Rückennummer 14, Arda Turan, holte Fröjdfeldt ihn zu sich heran und gab ihm offensichtlich eine kleine persönliche Belehrung. Seine farbenfrohen Karten ließ er allerdings in seiner A-Tasche und es blieb bei der mündlichen Verwarnung. Nach ganzen 17 Minuten gelang es der türkischen Elf das erste Mal, einen Schuss in Richtung des Kastens von Cech abzufeuern. Wie gesagt: In die (ungefähre) Richtung des Tores. Der Ball ging weit am Tor vorbei! Aber langsam fingen die Türken an, selbst etwas Engagement nach vorn zu entwickeln. Die Tschechen hatten bis dahin zwar auch keine riesigen Torchancen, aber sie stellten die aktivere Mannschaft auf dem Platz, zumindest was den Drang in Richtung des gegnerischen Tores anbelangte. Das machten sie auch direkt nach dem türkischen Vorstoß deutlich, als sie einen Schuss auf das Tor von Volkan setzten; dieser hatte jedoch keine Probleme mit der Abwehr des Angriffs.

Als fast 20 Minuten gespielt waren, wurden die tschechischen Fans, langsam von der „sicheren“ Spielweise der Türken genervt, wurden merklich unruhiger und pfiffen die Türken jedesmall, wenn der Ball in der türkischen Abwehr umherwanderte gnadenlos aus. Die defensive Spielweise der Türken setzte sich aber zunächst weiter fort. Die tschechische Elf hatte zwar merklich Probleme, die starke türkische Defensive zu umgehen, aber sie bekam hin und wieder ihre Chance, etwa in der 25. Minute: Sionko kam an der Strafraumlinie der Türken frei zum Schuss und drosch den Ball nur wenige Zentimeter am linken Eck von Volkan’s Kasten vorbei. Der Spielstand lautete weiterhin 0:0.

Auch nach einer halben Stunde Spielzeit schien es, als würden die Türken nicht so richtig ins Spiel finden. Trotzdem erkämpften sie sich genau in der 30. Minute ihren ersten Eckball. Nihat führte aus, konnte seinen Mitspielern aber nicht zu einer Torchance verhelfen. Bis dahin war die Leistung der Mannschaften halbwegs ausgeglichen. Beide Teams zeigten eine hervorragende Abwehrleistung, wobei die Tschechen aber in der Offensive weiter überlegen waren. Dies wurde ganz besonders in der 34. Minute deutlich. Der Joker von Karel Brückner, Koller, kam nach einer Flanke von Grygera wieder einmal mit dem Kopf an den Ball und erwischte das runde Leder dabei so wuchtig, dass Volkan dieses Mal nur noch mit den Fingerspitzen an den Ball kam, ohne die Situation zu klären. Spielstand: 1:0 für Tschechien.

Kurz darauf kam es zu einem unglücklichen Zusammenstoß der beiden Tschechen Matejovsky und Sionko. Matejovsky musste daraufhin mit einer Trage vom Platz gebracht werden. Schnell wurde deutlich, dass es sich offensichtlich um eine ernstere Verletzung handelte, sodass Brückner, Jarolim ins Spiel holte. In den folgenden Minuten fand das türkische Team, geschockt — vom ersten Gegentreffer — nicht so recht ins Spiel. Diese Verwirrung in den Reihen der Gegner konnten die Tschechen jedoch nicht für sich nutzen und es blieb bis zur Halbzeitpause, die mit zwei Minuten Nachspielzeit nach hinten verschoben wurde, beim 1:0 für die Tschechen.

Nach der Halbzeitpause brachte der türkische Coach Sabri Sarioglu in Spiel. Die Türken waren nun wie ausgewechselt. Plötzlich kam Fahrt in ihr Spiel und sie drängten nun deutlich offensiver auf den Kasten von Cech zu. Schon nach zwei Minuten in der zweiten Hälfte kam Nihat nach einer Flanke mit dem Außenriss im Fünfmeterraum in den Ball und brachte damit den tschechischen Torwart fast in Verlegenheit. Nachdem das Chancenverhältnis der ersten Halbzeit offiziell 6:1 für Tschechien stand, machten die Türken jetzt Druck. Schon in der 53. Minute musste Cech seine weltberühmten Reflexe erneut zeigen. Nach einer gut geführten Flanke kam ein Türke mit dem Kopf an den Ball und lenkte ihn damit auf den Kasten von Cech. Der bewies in dieser Szene einmal mehr seinen Wert. Minute um Minute wurden die Türken nun stärker. Diese Veränderung blieb natürlich auch nicht bei Karel Brückner unbemerkt. Ihn hielt nichts mehr auf den Sitzen. Er stand nur noch an der Seitenlinie, schrie und gestikulierte wild mit den Armen. Diese Zeichen sollten seiner Mannschaft mehr als deutlich zeigen, dass sie wieder die Initiative ergreifen und den Ball in die andere Richtung befördern sollen.

In der 57. Minute kam der türkische Spieler Kazim für seinen Teamkollegen Topal ins Spiel. Kurz darauf musste dann Gungör verletzt vom Platz. Für ihn wechselte Emre Belözoglu ins Spiel, der bereits einen Verband um den Kopf trug. Und dann, in den folgenden Minuten überschlugen sich die Ereignisse. Zuerst sorgte wieder einmal Koller für ordentliche Aufregung. Es gelang ihm, ganz alleine vor das Tor von Volkan zu laufen. Doch der eigentlich so erfahrene Koller verlor die Nerven und vergab diese einmalige Chance. Nur eine Minute später brachte Sionko eine schöne Flanke in den Strafraum der Türken. Plasil stand goldrichtig und schoss die Tschechen weiter in Führung: 2:0! Turan beschwerte sich beim Schiedsrichter wegen des Tores und erhielt dafür die gelbe Karte. Wenige Minuten danach folgte der nächste Aufschrei der tschechischen Fans. Polak kam an den Ball und haute das Leder mit voller Wucht gegen den linken Pfosten des türkischen Tors. Der Ball flog daraufhin durch den türkischen Strafraum und Polak versuchte sein Glück mit dem Kopf. Allerdings kam ihm ein türkischer Spieler mit seinem viel zu hohen Bein zuvor und kickte den Ball davon. Diese Szene hatte der schwedische Schiedsrichter wohl nicht gesehen, sie wäre ganz klar ein Elfmeter gewesen, der wahrscheinlich zur 3:0 Führung der Tschechen geführt hätte.

Spätestens nach der Vorstellung von Polak dachte wohl jeder, dass die 2:0 Führung der sichere Einzug der Tschechen ins Viertelfinale war. Weit gefehlt! Niemand rechnete mit dem Ergeiz dieser türkischen Mannschaft! Für die gab es nämlich nun kein Halten mehr. Ganze 15 Minuten vor Spielende sah alles danach aus, als hätten sich die Tschechen gefangen und das Spiel wieder unter ihrer Kontrolle. Denkste! Arda holte sich kurzerhand den Ball, stand völlig frei auf der linken Seite des tschechischen Strafraumes und verpasste Cech den ersten Gegentreffer der Partie. Der tschechische Keeper kam nur mit den Fingerspitzen an diesen Kracher, konnte aber das Unvermeidliche nicht verhindern. Somit stand es nur noch 2:1 für das tschechische Team. Die Türken waren nach diesem Treffer von Arda so beflügelt, dass sie ab dieser Minute nur noch stürmten und den Tschechen jede Chance verwehrten, aus der eigenen Hälfte zu kommen. In der 80. Minute holte Karel Brückner den Torschützen des 2:0, Plasil, vom Platz und wechselte ihn gegen Galasek aus. Nur vier Minuten später folgte dann der Wechsel von Vlcek gegen Sionko. Brückner wollte nun mit aller Macht einen weiteren Treffer der Türken verhindern. Aber es half alles nichts: Nur drei Minuten vorm Ende der regulären Spielzeit bekam der tschechische Torwart Cech den Ball nach einer türkischen Flanke nicht sicher gefasst: Er rutschte ihm aus der Hand und gab ihn damit dem freistehenden Nihat, der ihn nur noch in das Tor der Tschechen schieben musste. Damit stand es also 2:2 und die türkischen Fans waren vor Begeisterung nicht mehr zu halten. So ging es wohl auch den türkischen Spielern, denn die gaben sich mit einem Unentschieden nicht zufrieden. Nur zwei Minuten nach dem Tor von Nihat kam dieser erneut an den Ball und drosch das Leder mit voller Wucht an die untere Latte des tschechischen Kastens. Und damit war die Sensation dieser Europameisterschaft perfekt. Nach einem 2:0 Rückstand brachten es die Türken fertig, die Partie mit 3:2 zu gewinnen, einfach unglaublich.

Die letzten Minuten des Spieles wurden natürlich mehr als hektisch. Volkan ließ sich in der Nachspielzeit von Koller provozieren, schubste ihn zu Boden und erhielt dafür eine rote Karte vom schwedischen Unparteiischen. Das alles konnte dann aber nichts daran ändern, dass die Türken dieses turbulente Spiel für sich entscheiden konnten. Sie haben es tatsächlich fertig gebracht, in nur 15 Minuten drei Treffer zu erzielen. Der Viertelfinalteilnehmer heißt somit: Türkei. Von seiner Mannschaft völlig enttäuscht, verließ Karel Brückner sofort nach dem Abpfiff seine Trainerbank und verschwand in den Mauern des Genfer Stadions.

Kommentare

  • Von flash28
    Am Jun 18, 2008

    Türkei 2 : 1 Schweiz ( Wasserschlacht von Basel ) Türkei 3 : 2 Tschechien ( Das Wunder von Genf ) Türkei : Kroatien ( Wien ist belagert Teil 1) Türkei : Deutschland ( Geschenk für die Türken ) Türkei : Holland ( Die Schlacht im Wien ) Traum der Türken wird wahr : Türkei ist Europameister !

  • Von vienna
    Am Jun 18, 2008

    haha^^

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